Heute am Samstagmorgen klopfte der Winzerssohn höflich an die Thüre der Bäuerin.
„Na freilich, die läppischen Geschichten wirst auch noch treiben,“ rief die Ländhoferin von innen, „weißt ja, daß es aufgeht, sei nur kein solcher Blödling.“
Drückte der Bursche keck an und stand in der Stube.
Die Bäuerin saß auf ihrem Bette und war mit dem Ankleiden zum geringen Theile erst fertig.
„Thut nichts,“ sagte sie in ihrer Leutseligkeit, „wird nicht so heikel sein – ’s selb’ denk’ ich.“
Felix blieb in einer dem Knechte anständigen Entfernung stehen und sprach: „Hätt’ mit der Bäuerin nur ein klein Wörtel zu reden.“
„Was hättest?“ fragte sie, obwohl sie die Worte recht gut verstanden hatte, „wenn Du’s nur so in den Bart hinein murmeln willst – hast gar keinen – so mußt näher kommen.“
Er trat um einen Schritt näher und sprach um einen Ton höher: „Bäuerin, ich hab’ keinen Leihkauf (Angeld) auf einen Dienst im Ländhof angenommen, hab’ auch noch nichts gearbeitet und könnt’ mich ’leicht nicht schicken in die große Wirthschaft. Bäuerin, ich möcht’ wieder weggehen.“
Auf die Mittheilung befliß sich die Ländhoferin, eine sehr gleichgiltige Miene zu machen, die ihr annähernd auch gelang, und dann entgegnete sie: „So, weggehen willst wieder? Ist auch recht. Ich häng’ Niemanden an, und wer sich’s anderswo besser zu machen weiß, als er’s auf dem Ländhof hat, dem steht die Hausthür gern offen.“ Mittlerweile jedoch wurde der innere Sturm so mächtig, daß sie folgendermaßen ausbrach: „Ist das der Dank, Du Hungerleiderbub, der Dank dafür, daß man’s Dir so gut meinen wollt’? – Ich denk’ mir’s wohl, Du Stromer, mit der lüderlichen Dirn’ willst fort!“