„Den Sonntag hab’ ich für mich, Mutter!“
„Freilich, ’leicht zum Umflankiren mit dem Lotter?“
„Daß ich zu meinem Vormund geh’, laß ich mir nicht wehren!“
„Und zerrst den Jungen mit!“
„Wenn der Felix morgen auch nach Breitenschlag gehen will, ich kann nichts dagegen haben.“
Constanze eilte der Plätte zu. Sie erschrak selbst über das trotzige Wort, das sie gesagt hatte. Es war das erste in ihrem Leben. Sie hatte eben an den Ausspruch des Unterviertlers gedacht: „Fest auf die Füß’ stellen muß man sich und der Welt die Zähne weisen.“ Aber sie bangte jetzt; ein Lamm hatte dem Wolfe die Zähne gewiesen. Sie stieg mit ihren Tragbändern hastig in die Plätte hinab, die auf den bewegten Wellen schaukelte.
Die Bäuerin stand ganz sprachlos da und zum erstenmal ohnmächtig fühlte sie sich diesem Geschöpfe gegenüber. – Mit dem Burschen zum Vormund will die Dirn’? Dabei schaut für die Ländhoferin nichts Gutes heraus. – Die Bäuerin war blaß, wie die Steine am Ufer. Haß und Wuth wogten in ihrer Brust mit voller Gewalt. Sie fieberte, sie klapperte mit den Zähnen. – Was soll sie der Dirn’ anthun?
In den Bäumen brauste der Sturmwind und die Wellen des Flusses wogten hoch und schlugen gischtend an die Ufer und an die schaukelnde Plätte, daß hoch an die Flachshaufen das Wasser spritzte.
Hinter den Schichten kauerte, schwindlig durch das mächtige Schaukeln, Constanze. Der Strang der Ueberfuhr dröhnte, das Seil, an dem das Fahrzeug hing, spannte sich stramm, dehnte sich und klang im Sturme wie eine Saite. – Die Bäuerin sah es, und in diesem Augenblicke zuckte der wilde Gedanke auf. – Einen kurzen, funkelnden Blick in die Runde warf sie. Hier die Bäume, die Büsche, hier die morschende Scheunenwand, hier das Wasser – kein Mensch zugegen. – Mit glühender Kraft schwang sie das lange Messer, das sie in der Hand hielt, und schleuderte es gegen das gespannte Seil. Knallend riß dieses entzwei, hoch auf wallte die Plätte und schoß davon. – –
Schon kauerte die Bäuerin im Gebüsche; von diesem aus starrte sie auf die hochgehende, trübe Seim, starrte dem rasch hinwogenden Fahrzeuge nach. – „Wirst morgen nicht mit ihm zum Vormund gehen....“