„Und ist es nicht gefährlich, Felix?“ fragte das Mädchen zitternd und hörte im Sausen und Brausen das eigene Wort kaum.
„Wie kann denn das gefährlich sein!“ rief er laut; „wenn man über das Meer mit Schiffen fahren kann, so wird sich’s wohl auf der Seim auch thun. Höchstens, daß dieses Wasser zu klein wäre, dann trägt’s uns ohnehin an’s Land.“
„So will ich ganz ruhig sein,“ entgegnete Constanze.
„Setz’ Dich nur da an den Flachs und halte Dich fest an mich, Constanze, es kann uns nichts geschehen.“
Mittlerweile flogen die Auen, Büsche und Bäume der grünen Länd rasch zurück, und die Wogen umbrandeten mit Gischten und Brausen das Brücklein, das wie ein Kartenblatt auf den Wellen dahinglitt.
Felix that sich nach einem Ruder um, es gelang ihm nur ein paar schwache Stänglein vom Geländer der Plätte loszumachen. Constanze schlang ihre beiden Arme um den Nacken des jungen Mannes und barg ihr Angesicht an seiner Brust. Da die Ruderarbeit mit den nichtigen Holzstücklein zu nichts dienen konnte, so saß Felix lehnend am Flachshaufen, von welchem das Wasser ganze Theile fortspülte. Fest stemmte er seine Beine, seine Arme an die Balken des Floßes; mit trotzig geschlossenen Lippen starrte er hinaus auf den brausenden Fluß, auf die Ufer, die immer steiler und wilder wurden, bis endlich an beiden Seiten die schroffen Wände dräuten. Zum Glücke war das Gefälle hier geringer und das Wasser floß langsamer. Felix aber wußte nicht, welche Stellen noch kommen würden, er ahnte auch nicht, wie groß die Gefahr war, in der sie schwebten. Und so hub er, als ihm die Lage vertraulicher war, in seinem Uebermuthe an, hi! und hott! zu rufen, als wären ein Paar Rößlein gespannt an das Fahrzeug, und als habe er dieser Rößlein Leitriemen in den Händen.
Da richtete auch das Mädchen allmählich das Auge gegen ihn auf und fragte: „Felix, was wird das werden?“
„Wenn die Schimmel so fortmachen, so sind wir in zwei Stunden daheim,“ versetzte der Bursche, „Die werden schauen, wenn wir angefahren kommen!“
„Und können wir halten?“
„Vor dem Haus steht immer Eins am Wasser, das wird uns schon sehen, und wenn wir nur wollen, überall kommen wir leicht an’s Land hinaus.“