Allmählich war es nun finster geworden. Und so saßen die zwei jungen, lebensdurstigen Wesen im Dunkel der Nacht, mitten im brandenden Elemente.

„Das ist ein unglücklicher Samstagabend!“ murmelte Constanze, und dankte andererseits insgeheim der heiligen Jungfrau Maria, daß nicht sie allein, oder nicht er allein auf der Brücke gewesen, als das Seil gebrochen war.

Felix spähte durch die Dunkelheit in die Gegend hinaus, die sich geweitet hatte und nun schier dem unteren Viertel glich. Es wuchs sein Hoffen und sein Bangen. Ihm war, als müsse seine Heimat Hilfe bieten, als könne es gar nicht sein, daß sie an dem Häuschen der Eltern vorübertrieben, und es streckten ihnen nicht Vater und Mutter die Arme rettend entgegen.

Er that nun manchen lauten Schrei. Aber an den Ufern blieb es öde; nur von der Ferne her glühten zuweilen Lichter eines Hofes, eines Dorfes.

Da die Plätte nahe am Ufer trieb, so dachte Felix auch an das Hinausspringen, oder an das Erfassen eines Strauches. Doch ging die Fahrt zu schnell.

Wenn nun aber kein Anker ist und sie müssen an der lieben Gegend vorbei – dann –

„Dann heißt’s Testament machen,“ murmelte Felix. Gut, daß in dem Rauschen und Rollen das Mädchen die Worte nicht gehört hatte. – Constanze soll es nicht wissen, daß eine halbe Stunde unter dem Heimatshäuschen des Winzers die große Wehr ist, die auch den Hammerbach nach Zollau ableitet, eine hohe Wehr, an der schon Mancher zugrunde gegangen und an der auch der Plan gescheitert war, den unteren Gegenden durch Floßfahrten das Waldholz des Gebirges zu vermitteln.

Viele Leute aus Nah und Fern kamen alljährlich zur „Zollauer Wehr“, um den großartigen Wasserfall zu sehen. Nicht Menschen hatten die Wehr gebaut; hier senkte sich plötzlich die Gegend tiefer und daher der Abgrund. Von all’ dem braucht Constanze nichts zu wissen.

Allmählich wurde der Lauf des Wassers sachter; die Gegend verflachte sich. Felix erkannte einzelne Hügelformen, einzelne Baumgruppen, einzelne schimmernde Häuschen – er nahte seinem Heim.