Fünf Minuten später war er wieder einmal im lieben Nichtsein auf etliche Stunden.
Von der »Fahne mit dem sauberen Weibsbild«
Förster Rufmann war in übelster Laune. Je seltener das vorkam, um so tiefer griff es. Mit dem »Fürstand« von Eustachen hatte er einen Auftritt gehabt.
Der Dorfvorsteher Martin Gerhalt besaß die einzige Brettersäge in der Gegend. Sie stand an der Tauernach, dort, wo das Hochtal in den Murboden mündet. Seit Menschengedenken hatte diese Säge zum Gerhalthof gehört, und alle Bretter, aus denen in Eustachen, Ruppersbach und weiterum die Heuhütten gezimmert, die Fußböden gelegt, die Dächer gedeckt wurden, waren aus dieser Brettersäge. Die Schneidblöcher hatten entweder die Bauern selber herbeigeführt aus ihren Wäldern oder wurden vom fürstlichen Forstamte geliefert, altherkömmlich um mäßigen Preis. Für jeden geschnittenen Laden ein Reinertrag fiel dem Gerhalt in den Sack, und sein Wohlstand beruhte zum großen Teil aus dieser Brettersäge, die oft nicht mehr als einen Mann beschäftigte und täglich mehrere Dutzend Läden auswarf.
Und nun baut die fürstliche Verwaltung einen Kilometer weiter oben ein großes Sägewerk mit zwei Rotierern und allen neuen Einrichtungen, ein Ungeheuer, das in wenigen Wochen ganze Wälder zu verspeisen imstande ist. Sie sollte nicht allein Bretter schneiden, sondern auch Zimmerholz, Tischlerholz aller Art, und zwar unvergleichlich billiger, als es die alten langsam auf- und niederfahrenden Blattsägen leisten konnten.
Als nun eines Morgens Deichgräber anhuben, für den neuen Bau an der Ach Erde auszuheben, kam der Gerhalt zum Förster und fragte zuerst ganz höflich an, was er ihm, dem Rufmann, nur getan habe, daß er ihn jetzt wolle zugrunde richten.
Der Förster stellte dem Bauer vor, daß er in dieser Sache nichts sei als der Diener seines Herrn. Fürstliche Ingenieure hätten alles angeordnet und davon habe das Forstamt nur ganz weniges auszuführen.
Der Gerhalt ließ sich nicht beruhigen, wurde nur heftiger, erklärte, daß die hohen Herren dem kleinen Mann nichts gönnen, daß sie alles unter ihren Hut und alles in ihren Sack bringen möchten. Daß es wohl noch dazu kommen werde, wie alte Leute geweissagt hätten! zum großen Herren-Erschlagen … vom Förster aufwärts!
Ganz wohlmeinend hatte Rufmann dem Bauer zugehört, nun aber, beim »Herren-Erschlagen«, erwachte sein Zorn. Er unterbrach den Mann und wies ihm die Tür.
Im Vorsteher kochte die Wut, doch er rang nach Würde.