»Ja gewiß, gewiß, so wird es sein,« rief der Fremde lebhaft. »Aber ich will dich behüten, lieber Knabe. Du sollst kein heuchlerischer Götzendiener werden.«

Elias war erschrocken, aber nicht von der rücksichtslosen Rede, sondern deshalb, weil der wunde Punkt in ihm berührt worden. Seine quälende Ahnung war hier plump ausgesprochen. Aber er antwortete immer noch gelassen: »Wenn ich Rat bedarf, so wende ich mich an meinen Gott.«

»An deinen Beichtvater, willst du sagen. Da bist du schon am richtigen. Nee, nee, Junge, du darfst nicht katholischer Priester werden. Du weißt nicht, was dir bevorsteht. Ich weiß es. Ein einsames, glückloses Leben wartet deiner, ein elendes Knechteleben, ohne Freiheit und Freude, ohne Freund und Familie. Ganz das Werkzeug fremder unfaßbarer Mächte. Merke auf: kein Mensch, nur Werkzeug, um die Menschheit vom Erdenglück loszureißen und ihr Phantome dafür zu bieten. Und was du tust, das wird nicht etwa ein Irrtum sein, sondern Betrug, denn du wirst sagen, was du nicht glaubst. – Junger Freund, noch ist es Zeit, rette dich zum Evangelium.«

Da sagte Elias schon unsicher: »Ich bete jeden Tag zum göttlichen Heiland um Erleuchtung.«

»Was heißt göttlicher Heiland!« rief Nathan Böhme barsch. »Das ist ein Ausdruck der Kirche. Glaube an den einzigen Gott, das steht in der Schrift. Zu Gott mußt du beten, nicht zu Jesus, der selbst bloß Mensch gewesen ist.«

»Was haben Sie jetzt gesagt?« fuhr der Student auf. »Jesus bloß ein Mensch?«

»Die Wahrheit über alles.«

»Die Wahrheit? Wo Sie vorher eben gelogen haben!« Mit Heftigkeit rief es Elias: »Haben Sie nicht gerade früher zu den Leuten anders geredet? Haben Sie ihnen nicht gesagt von der Erlösung durch Jesum Christum? – Die Heiligen, ja, die haben Sie schon dort an der Ach weggeworfen. Die Mutter Gottes haben Sie auch weggeworfen. Jetzt werfen Sie den Heiland weg und sagen, Sie glaubten allein an Gott. Und morgen werfen Sie Gott weg.«

»Morgen werfe ich Gott weg, meinst du?« versetzte der Fremde, seinerseits nun sanftmütig geworden: »Ja, mein Kind, dafür kann man natürlich nicht garantieren, daß unsere Anschauung die gleiche bleibt. Sie ändert sich mit unseren Erfahrungen, mit unseren Fortschritten in der Wissenschaft. Und wenn die Wissenschaft uns mal dahin belehrt, daß wir Menschen animalische Wesen sind, nichts weiter, jeder einzelne aus dem Nichts gekommen und in das Nichts versinkend, wie jenes Stück Holz dort im Wasser versank – so müssen wir uns eben beugen vor der Wahrheit. So schwer es uns werden mag, so viel sogenanntes Seelenglück dabei verloren gehen mag. Der heiligen Wahrheit seine Seele, seinen Heiland, seine Ewigkeit opfern – das ist das göttliche Opfer, das ist das allerheiligste Sakrament, welches du einmal ebenso fromm und demütig anbeten wirst als jenes am Fronleichnamstage.«

Während dieser Worte war der Mann dem eilenden Studenten stets auf der Ferse gefolgt, bis Elias sich plötzlich umkehrte und ihm wütend das Wort ins Gesicht schleuderte: »Geh hinter mich! Du bist ein Teufel!«