Wer bei den Ausführungen des Fremden den Studenten beobachtet hätte! Der stand hinter dem Baum, horchte zu, und dabei begann sich sein blasses Gesichtlein zu verzerren, als ob er einen Schmerz hätte. – Also, das ist so einer! Ein Seelenfänger! dachte Elias. Wenn sie sich beschwatzen lassen und wenn sie ihm ihr Wort geben wollen, da werde ich schreien, soviel meine Brust kann, schreien und sie auf den Knien beschwören, daß sie ihrem alten Glauben treu bleiben. Als er sah, daß die Arbeiter ohne weiteres an ihre Zimmerei gingen, beruhigte er sich und nahm seinen Weg über Matten und Wiesen, dem Forsthause zu.

Nathan Böhme ging ihm nach.

Als Elias es bemerkte, wollten seine Beine eilend werden, dann aber sagte er sich: Vor dem davonlaufen!

Der Fremde holte ihn ein. »Der junge Rufmann, nicht wahr, der Studiosus!«

Ohne stehen zu bleiben, grüßte Elias kühl und schweigend.

»Der Zufall ist gut,« sagte Nathan Böhme. »Ich habe dir schon lange nachgesetzt, junger Rufmann. Weißt du wohl, daß du ein rührender Mensch bist? Den Götzendienst hast du zwar auch mitgebracht, aber wenn ich damals Herrgott gewesen wär – direktemang auf die Arme hätte ich dich genommen und in den Himmel getragen.«

Also, ohne alle Einleitung, wie gewohnt, hatte er den Jungen angepackt, gleich mit dem vertraulichen Du.

Aber Elias zuckte trotzig mit den Augenwimpern.

»Um das kindliche Glauben ist’s ja was Köstliches,« redete Böhme weiter. »Aber merke dir, Junge, es bleibt nicht lange. Wie ich höre, bist du Schüler in einem Priesterseminar. Na, Prost die Mahlzeit! Da möchte ich jerade in paar Jahren wieder nachsehen, ob du die Monstranze noch so engelhaft anbetest als jetzt. Mit äußerer Miene vielleicht, im Inneren nicht – dafür werden deine Lehrer mit ihrem Unterricht sorgen. Den Kopf wirst du eines Tages voll Theorien und Dogmen haben – und das Herz voll Gleichgültigkeit oder Bitterkeit. Eine Weile wirst du dich abquälen um deinen Kindheitsglauben, dann gibst du es auf. Schließlich kommt’s so: Das, was du erst bei der Fronleichnamsdemonstration fromm angebetet hast, ist ein dünnes Mehlbrötchen geworden, so du der Gemeinde aufstellen sollst als wahren Gott und Menschen.«

Elias war stehen geblieben, über sein Gesicht flammten rote Flecken. Aber sanftmütig sagte er: »Was wollen Sie denn von mir, lieber Herr?«