»Jesseles, Jesseles, die Ewigkeit ist ins Wasser gefallen!« rief jählings der Zimmerjunge aus; er hatte gesehen, wie das Kapellenbrett mit dem Spruchteil umgeschlagen hatte, in die Ach gerutscht und in derselben verschwunden war.
Allsogleich knüpfte der Preuße wieder an: »Was sagt der Junge? Die Ewigkeit ist ins Wasser gefallen? Komisch! Aber es kann euch schon passieren, Leute. Das kann übrigens uns allen passieren. Vielleicht sprechen wir einmal davon. Ist es euch recht, so kommen wir Sonntags einmal zusammen. Wollen uns jemütlich unterhalten. Der Preuße weiß Neuigkeiten!«
Die Zimmerleute schauten den Sprecher verwundert an, hörten ihm zu und aßen weiter.
Böhme redete noch mancherlei durcheinander, entwickelte dann seine Ansichten über das Heidentum der Kirche und über das Evangelium des Sohnes Gottes. Er sprach von dem großen Religionsreiniger Martin Luther. Der wahre Christ habe zu glauben an die Gnade durch die Erlösung Jesu Christi; die Heiligenanbetung, die kirchliche Prachtentfaltung sei nichts als Heidentum. Die Kirche gehe nur auf Macht, die Geistlichkeit auf Geld, man sehe es überall. Jesus habe es mit den Armen gehalten, seine Lehre wäre nicht die Ausbeutung gewesen, sondern die Nächstenliebe, und der Weg zum Himmel gehe nicht durch allerlei Sakramente, vielmehr durch ein sittenreines Leben.
Als er in solcher Weise sich hervorgetan, da nickte der eine und der andere beistimmend mit dem Kopf, es sei eh wahr, es werde eh so sein!
»Jetzt ist eine Zeit der Veränderung,« sagte Böhme, »überall traten die Leute zum evangelischen Glauben über, wollet nicht auch ihr einmal darüber nachdenken? Bei dem Mauteinnehmer in Löwenburg kann man die Schriften bekommen, ganz umsonst, wer sich unterrichten will.«
»Mit dem Mauteinnehmer wollen wir nichts zu tun haben!« rief einer.
Und ein anderer sagte fröhlich: »Wenn die Lutherischen nit müssen mautzahlen, werde ich auf der Stelle lutherisch!«
»Abscheulich, wer so redet!« schrie Böhme. »Wer nicht aus Überzeugung übertritt, der soll bleiben, was er ist!«
»Wir bleiben Zimmerleut und jetzt wollen wir’s wieder angehen.« So der Meister, und damit war das unerquickliche Gespräch abgeschnitten und die Tafel aufgehoben.