Von Ruppersbach herauf kamen durch die Luft geschwommen die Klänge der Mittagsglocke. Böhme betrachtete wieder den in Andacht versunkenen Jungen, wie er es am Fronleichnamstage getan. Heute möchte er gerne mit ihm anbinden.

Als der Zimmermeister Josef das Beispiel des Studenten sah, stellte er sein Sterzschaufeln ein und sagte: »Läuten tun’s. Wir wollen den englischen Gruß beten.« Da standen sie schwerfällig auf, zogen ihre Hüte ab und beteten laut und einstimmig: »Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, daß sie empfangen hat vom heiligen Geist. Gegrüßest seist du, Maria, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern –«

Als das Gebet vorüber war und sie wieder aßen, trat der Fremde näher zur Gruppe.

»Wollens mithalten?« lud ihn der Zimmermeister ein und suchte nach einem frischen Löffel.

Nathan Böhme ging nicht darauf ein. Sein Auge hatte ein scharfes Feuer, sein Schnurrbart schien sich zu spießen.

»Jammerschade!« rief er aus, »jammerschade um dieses brave Volk! – Männer, warum habt ihr gerade dieses Gebet gebetet, das die Kirche diktiert hat, warum nicht das vom Herrn Jesus; wie er sagt, so sollt ihr beten: Vater unser, der du bist im Himmel! – Ihr solltet euch doch mehr ans Evangelium halten.«

»Wir haben den englischen Gruß gebetet,« antwortete der Zimmermeister, »und mir scheint, der steht wohl auch im Evangeli.«

»Allerdings, aber die Kirche hat etwas anderes daraus gemacht.«

»Was lauter!« lachte ein Zimmerer, »beim Fronleichnamsumgang haben wir eine ganze Stund lang: ›Gegrüßt seist du, Maria‹ gebetet.«

»Ja, ja, euer Fronleichnamsfest! Gewiß, hat mir sehr gut gefallen. Festaufzug! Sehenswert. Wenn ihr aber glaubt, es wäre ein christlicher Gottesdienst?!«