»Ist zu dumm!« brummte der Förster, »das ist ein siebendoppelter Unsinn!«
»Wenn du halt irrsinnig bist,« gab der Wirt zu bedenken. »Schlechtes kann ich dabei nix finden, und wenn ich Pfarrer bin, in der Schluchten laß ich den armen Hascher nit begraben.«
»Hat mich auch recht gewundert von unserem Pfarrer.«
»O mein, sagt er, wie wir dazumal bei ihm sind gewest, der Gerhalt und ich, wegen der selbigen Sach, wenn’s auf mich tät ankommen – unter dem großen Kreuz sollt er liegen, mitten auf dem Kirchhof. Aber die Vorschriften! Und sonst wohl auch. Die Angst vor dem ungeweihten Grab hält doch immer einen zurück. Weisen wir hin: Bei den vieltausend Selbstmördern alle Jahr, die man in der Zeitung liest, sollt man halt doch nit so streng sein. – Just derohalben! sagt der Pfarrer, wird ja rein Modesach, der Selbstmord! – Trink, Paul! Du trinkst ja heut nix.«
»Wie der Will,« sagte der Förster und tat einen Schluck aus dem Kelchglas, »’s ist mir einmal unfaßbar, wie ein Mensch sich selber das Leben nehmen kann.«
»Weißt, just zu verstehen ist es schon. Wenn das Elend halt zu groß wird. Wenn alles verspielt ist und alles gegen dich ist, daß es frisch nimmer zu ertragen ist!«
»Ah geh,« sagte der Förster, »unsereiner hat auch schon seine Sacherln durchzumachen gehabt. Damals zum Beispiel, wie mir das Weib ist gestorben. Da wär’s mir schon auch lieber gewesen, heut wie morgen. Und ’s Schußgewehr alleweil im Zimmer. Nicht einmal ist mir der Gedanke gekommen, nicht einmal!«
»Das glaub ich dir. Wenn zwei Würmeln da sind, die den Vater brauchen. ’s ist hart genug, Paul, was dich selben hat getroffen. Aber das größte Unglück ist es nit.«
»Was wir da auf dumme Sachen sind zu reden gekommen,« sagte der Förster. »Das richtige Aschermittwochgespräch.«
»Ist eh wahr,« lachte der Wirt.