Nathan Böhme wandte sich zum Wirt: »Hören Sie? Der Mann wünscht von mir jetzt fix eine Legitimation. Bin in nicht geringer Verlegenheit. Wie ich als großer Unbekannter gekommen bin, so hätte ich als großer Unbekannter mögen dahinziehen. Und nun will man wissen, wer ich bin.«

»Um Verstattung, ’s ist vorgeschrieben,« sagte der Gerhalt.

»Gut,« sagte lachend Herr Böhme. »Machen Sie mal Ihre Oogen auf und hören Sie: Ich bin ein ganz gemeiner Kerl! Meines Zeichens ein verkrachter Weltverbesserer, wenn’s Ihnen recht ist. Gedenke mich ins Privatleben zurückzuziehen. Mein Lehramt ist bankerott geworden. Die es nicht einsehen, können sich nicht ändern, und die es einsehen, wollen sich man nicht ändern. Herr Michel Schwarzaug! Sie erkennen die Schädlichkeit des Suffes und werden doch daran zugrunde gehen. Basta! – Mein letzter Wille, wenn ich nun scheide, der ist folgender, Herr Wirt: morgen lassen Sie nachsehen, ob der Mann nichts Unrechtmäßiges mit sich nahm. Und übermorgen vergessen Sie ihn.«

»Muß noch einmal bitten um die Aufweisung,« mahnte der Gerhalt, dem fast unheimlich wurde.

»Also denn, löbliche Obrigkeit, nun kommt der große Augenblick.«

Mit feierlicher Gebärde zog Böhme aus seinem Sack die Brieftasche hervor und aus derselben ein gefaltetes Papier. Der Gerhalt begann seine Prozedur mit den Hornbrillen. Als diese glücklich im Sattel saßen, nahm er Einsicht in die Schrift und nickte beistimmend: »Ein Professor seins.«

»War ich.«

»Und was seins denn jetzt?«

»Landstreicher.«

Ohne sich von der Frevelhaftigkeit einer solchen Amtsantwort beirren zu lassen, fragte der Gerhalt weiter: »Wo wollens denn hin, von da aus?«