Am nächsten Frühmorgen stand Herr Nathan Böhme, »Preuße und Landstreicher«, gestiefelt und bepackt am Ausgange des Wirtshauses »Zum schwarzen Michel«.

In demselben Aufzuge, wie er gekommen, ging er davon, nur nicht so bestaubt und verschwitzt, sondern hübsch ausgebürstet und frisch. In seine Ledertasche hatte Frau Apollonia Roggenbrot, Kuchen und gekochte Eier gesteckt für das Mittagsmahl auf dem Rauhruck. Die Kellnerin hatte ihm den Hut mit weißen Nelken und einer freilich schon halbverblühten Pfingstrose geschmückt. Als er ihr die Hand gereicht hatte: »Also, Mamsell Mariedl, adieus, bleiben Sie edel, hilfreich und gut und heiraten Sie bald!« da mußte sie sich mit dem Schürzenzipfel ein Tränlein abwischen. Er war zwar immer einmal »wüscht« gewesen und doch hat man ihm »nit feind sein« können.

Und als sie nachher in der Stube ein Goldstück auf dem Schranke liegen fand, da wollte sie ihm damit nachlaufen, bis der Hausknecht auf die Vermutung kam, das werde ein Trinkgeld sein, für den Hausknecht. Kleider und Stiefel hatte ihm zwar die Kellnerin geputzt, wenn’s aber ein Trinkgeld ist, dann kann’s nur dem Hausknecht gehören. Weibsbilder tun eh nit trinken.

Von den Wirtsleuten hatte Böhme sich artig verabschiedet, dem Michel schließlich aber die großartigen Worte zugeworfen: »Ein gescheiter Mann sind Sie, Herr Wirt. Leben Sie danach, so sind Sie auch ein ganzer Mann.«

»Ja, ist schon recht,« entgegnete der Michel. »Ich sag halt: Auch so viel! Und von Rauhruckjoch nur fein links halten, sonst kommen Sie in die Senklucken hinüber. Das wär’ bös! Recht glückliche Reise!«

Voll Wanderlust, so schritt er rüstig aus, den Fußsteig am Waldrande hin gegen das Forsthaus.

Dort hatten die beiden Burschen schon ihre Rucksäcke aufgepackt und warteten auf ihn. Entzückt waren sie gerade nicht darüber, diesen anmaßenden und immer räsonnierenden Menschen zum Wandergenossen zu haben.

Besonders Elias war verstimmt. Jener Auftritt auf der Wiese war ihm jetzt deshalb so peinlich, weil er sich seines Zornausbruches schämte. Aber das wollte er heute wettmachen. Er wollte dem Preußen gerade einmal durch ein gutes Vorbild zeigen, daß er den rechten Glauben habe. – Der Vater trug ihnen auf, wie sie für den Fremden Sorge tragen sollten, daß er gut über das Joch komme.

Die alte Sali meinte, es sei eh ein Unsinn, daß so ein Mensch in der stockfremden Welt herumgehe für lauter nichts, oder gar, um Leute in die Ungnad Gottes zu führen. Man könne nur froh sein, daß er endlich einmal fortgehe. Und dann wollte sie ihm ein Fläschlein Wacholdergeist in die Tasche stecken für unterwegs, wenn ihm etwan wollt’ letz werden.

»Was ist denn das?« herrschte Böhme. »Wacholdergeist sagen Sie? Gute Fraue, den trinken Sie man selber, wenn Sie letz werden wollen.«