»Rufmann, gestehen Sie nun ein, was Sie wissen! Denn was Sie früher angegeben, das ist nicht wahr. Wenn Ihr Bruder den Herrn ins Rauhruckkar begleitet, bis an die Stelle, wo die Leiche gefunden wurde, so kann er nicht in vierzig Minuten nach Abgang von der Seealmhütte wieder dort gewesen sein. Dazu würde der geübteste Geher mindestens doppelt so lange brauchen.«

Elias schwieg.

»Da diese Angabe also nachgewiesenermaßen unwahr ist, so werden auch Ihre übrigen Angaben, die Sie uns gestern gemacht, unwahr sein. Sie wissen mehr, als Sie sagen wollen. Sie wissen, daß Nathan Böhme von Ihrem Bruder ermordet worden ist!«

»Nein!« schrie Elias auf, »mein Bruder hat das nicht getan!«

»– Und daß Sie ihm wahrscheinlich dabei geholfen haben!«

»Ich? Ich meinem Bruder geholfen?« Er zuckte ab. Stumpf und still stand er da, wie geistesabwesend, und gab auf mehrere Fragen keine Antwort. – – Jählings rief er laut: »Ich hab’ es selbst getan, ganz allein. Ich habe den Herrn umgebracht! …«

Ein wilder, gellender Schrei war es gewesen. Mit vorgestrecktem Haupt, die Fäuste halb gehoben, hatte er es den Männern ins Gesicht geschleudert. »Ich hab’s getan, ich allein!«

Mehrere der Männer waren vor Erregung aufgesprungen. Der Gerichtsrat selbst brauchte eine Weile, um sich fassen zu können. Dieser Knabe, dieses kränkliche, weichmütige Bürschchen, soll die furchtbare Tat begangen haben? Allerdings, die dreistruhige Art, in der er tags zuvor die Aussagen geleistet, stimmt nicht zu der schwärmerisch-pietistischen Eigenheit, die ihm an dem Burschen geschildert wurde. Und nun, nach dem Eingeständnisse, stand er wieder gerade so trotzig verschlossen da als vorher, ohne Zeichen von Reue.

»Elias Rufmann!« so begann endlich und mit heiserer Stimme der Gerichtsrat wieder. »Sie sind sich bewußt, was Sie gesagt haben? Wir wollen heute bloß noch wissen, ob Ihr Bruder daran beteiligt war.«

»Nein!«