Jetzt entstand eine Pause. Der Gerichtsrat lehnte sich vor, stützte sich mit der Miene einer großen Behaglichkeit auf den Tisch und sagte: »Elias Rufmann! Durch Ihr Geständnis sind Sie zu uns in das Verhältnis des Vertrauens getreten. Wir sind nicht Ihr Feind. Wir haben nichts zu üben als Gerechtigkeit, und diese kann sowohl für als gegen Sie eintreten. Erzählen Sie uns nun freimütig die Ursache und den Hergang dieser Tat.«
Elias fuhr sich mit dem Ärmling über die Stirn. Dann antwortete er: »Ja, ich – es wird so gewesen sein, es wird schon so gewesen sein.«
»Aber warum, Rufmann, warum haben Sie die Tat verübt?«
Sprach Elias laut und bestimmt: »Weil er die Leute vom Glauben hat abbringen wollen!«
»Das stimmt, das stimmt!« murmelten die Männer durcheinander. »Schon früher soll er mit dem Fremden zusammengeraten sein dieser Sache halber und soll mehr als einmal gesagt haben: der Mensch wär’ ein Unglück und der Herrgott sollt’ ihn fortnehmen aus der Welt. Nun also hat er dem Herrgott dabei Handlangerdienste geleistet.«
Das Nichts der Welt
Auf einen behördlichen telegraphischen Bericht nach Frankfurt und die Anfrage, was zu geschehen habe, kam der Bescheid zurück, daß Professor Nathan Böhme dort schon seit längerer Zeit abwesend, weder Verwandte noch Vermögen zurückgelassen habe; man ersuche, die Leiche des Genannten ortsüblich zu bestatten.
Von der Absicht, die Mörder dem Leichnam gegenüberzustellen, wurde Umgang genommen. So wurde er am nächsten Frühmorgen nach Ruppersbach gebracht und in aller Stille begraben. Ortsüblich war das zwar nicht, doch man wollte den Volksauflauf vermeiden, ebenso auch die Frage wegen eines kirchlichen Begängnisses. Es mußte angenommen werden, daß der Mann nicht zur katholischen Kirche gehörte.
Aber in den beiden Dörfern herrschte ein wahrer Aufruhr.
War der Mord in dieser Gegend schon an sich ein schreckliches Ereignis! Daß die jungen Söhne des Försters, die überall gerne gesehen waren, der eine wegen seiner harmlosen Lustigkeit, der andere wegen seiner Bescheidenheit und treuherzigen Frömmigkeit, daß diese Burschen den Mord begangen hatten – das war unerhört, unfaßbar – einfach gräßlich. Das war so niederschmetternd, daß der Ruppersbacher Lehrer, bei dem sie in die Schule gegangen, sagte: »Man wird wahnsinnig vor Entsetzen.«