Aber die Leute waren schon bemüht, diese Burschen so herzurichten, daß sie für die grause Tat paßten. Kein Aprilwetter schlägt so rasch um als die Stimmung der Menge.
»Ein Mord aus Fanatismus ist es also!« rief der Krämer.
»Laß dich nicht anplauschen,« rief der Gerber, »wenn der den Herrn des heiligen Glaubens wegen ersticht, da wird er ihm erst noch Uhr und Geld wegnehmen – vielleicht auch des Glaubens wegen. Ein gemeiner Raubmord war’s, und dafür sind so viele Beweise, daß man bequem damit viere hängen könnt.«
Und unter diesen Dörflern gab es Leute, deren sittliche Entrüstung so groß war, daß sie mit Vergnügen jeden zweimal hätten hängen sehen.
Gegen die Mittagsstunde war der Wagen mit den Gerichtspersonen durchgefahren vom Forsthause gegen Löwenburg.
Nun hatten sich die Leute aufgestellt zu beiden Seiten der Straße. Viele vertrieben sich die Zeit mit Plaudern über Wetter und Wirtschaft. Andere machten Witze, derbe Späße und lachten dazu. Der nicht fehlende Wegmachersbub wurde angestiegen darauf hin, daß ein kaiser-königlicher Straßenschotterer gewiß sehr notwendig dabei zu sein habe, bei solchen Begebenheiten. Worauf derselbe seine großen Kinnbacken warf und versicherte, daß er auch schon sein Teil wisse. Die Försterbuben seien eben zu viel verhätschelt worden überall. Nichts als immer die lustigen Försterbuben, die braven Försterbuben! Die schönen Försterbuben! Dieweilen andere, wirklich brave Leute, so viel als gar nichts gegolten. Gut, gut, jetzt würden sie bald anrucken, die braven, die lustigen, die schönen Försterbuben!
Es war fast des Zuhörens wert, als er, auf einem Schotterhaufen stehend, im Predigerton seiner Umgebung auseinandersetzte, wie der Mensch durch Lobhudelung, durch Leichtsinn und Schuldenmachen, durch Blauschen und Schwatzen, Leutanschmieren und Mädelverführen endlich zum Verbrecher werden könne. Nun würde es wohl auch die gelbhaarige Wirtstochter wissen, wem man Ohrfeigen geben solle und wem nicht! In einen so hitzigen Eifer geriet der »Kaiser-königliche«, daß unter seinen strampfenden Beinen der Schotterhaufen nachgab und er zu Boden rutschte.
»Jetzt hast ihrer genug, Kruspel, wenn du Steine werfen willst,« rief der Nachbar. Da fuhr Bewegung in die Leute, die Gespräche verstummten, nur hie und da ein Ausruf: »Sie kommen!«
Drei Gendarmen und zwischen ihnen die Försterbuben.
Sie gingen so nahe nebeneinander, daß es zuerst schien, als wären sie zusammengebunden. Der Friedl in seinem lodenen, grün ausgeschlagenen Halbfeiertaggewand, den Hut in die Stirn gedrückt. Elias in seinem dunkeln Studentengewand. Beiden die Hände über der Brust aneinandergebunden. Der Friedl suchte die Stahlfessel unter der Jacke zu verbergen. Elias trug die seine ohne weiteres zur Schau. Der Friedl hielt die Augen zu Boden geschlagen. Nur ein paarmal zuckten sie kurz auf; so beim Michelwirtshause. Elias schaute stumpf drein, worüber etliche Zuschauer sich entrüsteten. Schimpfrufe wurden laut.