»Wer nit muß, sagt’s ihnen nit. Auf jeden Fall, Michel, muß ich dir den Rat geben, daß du ihnen ja nit gleich sagst, daß du – daß du – ihn so hast verhalten. – Wenn’s überhaupt wer zu wissen braucht? Und du’s sonst noch niemandem gesagt hast. Leicht ist’s besser, Nachbar, wir sind still. Zu ändern ist doch nix mehr. Tät das Unglück nur noch größer machen. Vor dem Gericht hättest dich wohl eh nit zu scheuen, so weit steht die Sach nit. Weißt, Wirt, gar so himmelschwer muß man das auch nit nehmen. Absichtlich versehen, versäumt! Was weißt denn du, wie dir in derselben Stund ist gewest! In so einem Schreck, in so einem Jammer! Da weiß ja kein Mensch, was er denkt und tut. Du bist nit bei dir selber gewest. Wärst du bei dir selber gewest wie heut, du hättest es so wenig tan wie heut, wenn’s wieder so wär. Also schau!«

»Das Richtige wär gewesen, ich – hätt’s ihm gleich nachgemacht.«

»– und hättest dir alle Brucken abgebrochen zurück, wo noch was gut zu machen ist. Was hätt denn aus den armen Burschen werden können, wenn gar niemand mehr auf sie schaut? Und hast nit auch selber Weib und Kind? Geh Michel, sei nit dumm. Was geschehen ist, ist geschehen, und wir zwei sind still und wecken’s nimm auf, verstehst?«

»Mich deucht, die verschwiegene Sünd ist noch schwerer zu tragen.«

»Was hast, wenn du’s sagst? Dein Lebtag hast es auf dem Buckel, jeder Lump wird dir’s reimen. Und das mußt auch bedenken: Wenn du’s gestehst, kannst du für die Buben gar nix tun. Glaubst denn du, diese Trutzköpf werden was annehmen von dem, der ihnen so den Vater hat verhütet?«

»Du hast recht, Martin,« antwortete der Michel, »aber meinst, es war nit schon zu viel gesagt?«

»Nix ist gesagt. In der Kirchen bist nit bei dir selber gewest. Was man denken soll bei der Meß, das hast du laut gesagt. Was denn weiter? An so einen Tag ist alles wild auf. Wie es jetzt steht, jetzt hab ich kein Angst mehr.«

»Nachbar,« sprach der Michel und faßte seinen Arm. »Nachbar, an dich halt ich mich jetzt und ist mir schon leichter, weil einer ist, der mir tragen hilft. Das soll dir Gott vergelten. Vielleicht, daß es doch noch einmal anders wird. Jetzt ist’s wohl zum Verzagen. – Wenn mir unser Herrgott ein Zeichen wollt geben, daß meine Sünd nit gar so schreckbar wäre – nit gar so schreckbar.«

»Wenn die Buben deine Lieb annehmen – das kannst für ein solches Zeichen halten. Es wird am gescheitesten sein, Michel, ich fahr mit dir.«

»Jetzt? Du mit mir? Den Buben entgegen?« sagte der Wirt. »Gerhalt, möcht dich wohl recht schön bitten, laß das sein. Schau, kannst dir’s denken, wenn neben meiner einer sitzt, der alles weiß, wie soll ich da den rechten Schick haben? Auf Verstellung muß ich mich jetzt verlegen, auf Falschheit in meinen alten Tagen. Wirst ja kein falscher Zeug sein wollen.«