Einer der Herren fragte, ob er nicht Tag und Ort angeben könne, wann und wo er glaube, das Messer verloren zu haben.

Der Bursche sann nach und sagte, es sei ihm sicher, er habe das Messer an einem Sonntag in der Fastenzeit in einer Kohlenbrennerhütte der Bärenstuben verloren. Er habe dort am nächsten Tage auch nachgefragt, aber der Kohlenbrenner Krauthas hätte nichts davon gewußt.

»Der Kohlenbrenner Krauthas?« fragte einer der Herren recht gelassen und kühl, während er seinen langen Bart strich. »Wie heißt der Mann mit dem Vornamen?«

»Bartel – Bartel Krauthas.«

Als der Herr mit dem langen Bart so viel gehört hatte, wandte er sich an den Vorsitzenden und verlangte Unterbrechung des Verhöres. Es müsse der Bartholomäus Krauthas herbei. Der Krauthas sei in Löwenburg polizeibekannt. Er gehe zurzeit in der Stadt hausieren mit Wurzeln und Kräuterwerk. Augenblicklich wohne er bei seiner Tochter, auch eine von solchen, über die Buch geführt werde. Der Mann sei als Wilderer, unbefugten Gewerbes und selbst Diebstahls wegen viel vorbestraft. Gegenwärtig stehe er in dringendem Verdacht eines Einbruches im fürstlich Trustbergischen Jagdschloß auf dem Tauern. Die Polizei sei eben dran, den Vagabunden festzunehmen und werde sich freuen, mit ihm aufwarten zu können.

Das Verhör mit dem Krauthasen verlief überraschend einfach. Im ersten Teile desselben fungierte er gleichsam nur so als Zeuge, im letzten war er – der Verurteilte.

Fix hatte der Staatsanwalt gearbeitet. Den Einbruch im Jagdschloß hatte der Krauthas gleichgültig, wie eine Bagatelle, eingestanden, und jetzt hatte man ihn. Im Jagdschlosse war neben einem aufgebrochenen Zigarrenkistchen das Stücklein einer Messerschale aus Perlmutter gefunden worden. Dieses Stücklein paßte genau in die Scharte des Taschenmessers, mit dem Nathan Böhme ermordet worden. Anfangs war der Krauthas verblüfft, daß sein schlauer Lebenslauf ein so plötzliches Ende gefunden, dann warf er die Flinte ins Korn und dachte nur daran, so viel Milderung als möglich herauszuschlagen.

»Ich wäre ja eh selber gekommen, meine hochansehnlichen Richter!« sagte er weichmütig mit singendem Stimmlein. »Gestern, wie ich auf der Brucken die jungen Herrn hab gesehen, da habens mir so viel derbarmt, daß ich gleich hab gesagt: Krauthas, das geht nit, daß die etwan gar sollten eingesperrt werden, wegen der Gschicht’. Bist ein ehrlicher Kerl, mußt dich stellen.«

Dann kam er mit seinen Rechtfertigungen. Die Leut hätten schon seinen Vater um Haus und Hof gebracht. Ihn selber hättens auch immer verfolgt, bis er der elendste Lump sei geworden im ganzen Gau. Kein Mensch hätt ihm mehr was borgen, was schenken wollen, keine Arbeit mehr, keine Lebensmittel, keine Kurasch zum sich selber abtun. Für ihn sei es am gescheitesten, er überließe das anderen.

Also wie es zugegangen sei?