Nun ja, zugegangen. Da hätte er halt gehört, daß der fremde Böhm, der sich beim Michelwirt in Eustachen aufgehalten und Geld gehabt, einen Fremdenführer übers Gebirg sucht. »Mich nimmt er nit, dafür sein schon die Leut da, die ihm Angst machen vor meiner. Aber daß die Försterbuben nur bis zur Seealm mitgehen, das han ich mir denkt. Von der anderen Seiten bin ich herüber und han aufpaßt. Und vom Joch herabgesehen, wie der Mann allein durch die Zirben geht. Und sich niedersetzt auf dem Anger, weil er was gessen hat. Wie ich durch die Zirben abischleich, schlaft er. Der Hals is gar so schön nackend gwest. – Viel han ich eh nit gfunden.«

Ob er dabei allein gewesen sei?

»Ich bitt Ihnen, Herr Gerichtsrat, bei so ein Gschäft wird man wen zuschauen lassen!«

Nach diesen und weiteren Aussagen des Krauthasen war es also klar.

Nun aber der Student! Gar ernstlich wurde Elias befragt, weshalb er eine Tat eingestanden, die er nicht begangen!

Und die Antwort des Elias: Man habe ihm gesagt, sein Bruder sei, wenn auch nicht bei der Tat ertappt, doch so viel als überwiesen, und er habe überzeugt sein müssen, sein Bruder habe es getan. So habe er alles auf sich nehmen wollen. Der Fridolin lebe gern und werde sich bessern; er, Elias, sterbe gerne und wolle die harte Strafe aufopfern für seine Sünden. Und könne der Bruder auch besser für den alten Vater sorgen, als er im Priesterstand. Dann – das hatte er ganz leise und schämig gesagt – sei er dem Bruder eine Buße schuldig, denn er habe ihn schmählich ins Gesicht geschlagen und der Bruder habe sich nicht gewehrt. Nun, und wie ihn die Herren so gefragt hätten im Forsthaus und sie ihm fast die Antwort aus dem Mund gezogen, da hätte er gedacht: In Gottes Namen, an mir ist nicht viel gelegen! Ob heute oder morgen, gestorben ist gestorben.

Der Friedl war entsetzt. Jetzt, das erstemal hatte er es gehört, daß Elias der Überzeugung gewesen, er, der Friedl, habe den Mord begangen, und daß der Student sich so habe aufopfern wollen. – Im Bewußtsein seiner Unschuld hatte der Friedl die Geschichte gar so ernst nicht genommen, obschon er sich das Volk in Eustachen und Ruppersbach gut gemerkt, besonders die Buben in Ruppersbach, die ihn und den Bruder am meisten verhöhnt hatten. Bange war ihm freilich gewesen, die Zufälligkeiten, die man zu den schrecklichen Schuldbeweisen machte, könnten stärker werden als alle Beweise der Unschuld, und daß er wohl gar zu jahrelangem Kerker verurteilt werden möchte. Für den Elias hatte er gar nichts gefürchtet. So machte er sich im ganzen keine schweren Gedanken. Und daß nun der Bruder den Mord zugestanden, als hätte er ihn wirklich begangen – das war Wahnsinn. Das war reiner Wahnsinn.

Das Verhör hatte zu später Abendstunde geendet.

Die Burschen wurden in Freiheit gesetzt und wollten sofort davon, noch in der Nacht nach Hause. Das ging nicht an. Die Schrift und die Sachen konnten ihnen erst am nächsten Morgen ausgefolgt werden und Elias suchte dem Bruder Lust zu machen, noch eine Nacht im Arreste zuzubringen. Sie würden gewiß nie wieder einen sehen. Darauf gingen die Herren doch nicht ein und den Brüdern wurde ein gutes Zimmer angewiesen, wo der Friedl in einem Bette, der Student auf einer Lederbank schlafen konnte.

Noch um Mitternacht begann ersterer lustig zu schimpfen über den heiligen Eli Rufmann, der sich aus lauter Gottseligkeit an den Galgen lügen wollte.