Elias tat, als schlafe er, war aber versunken in ein heißes Dankgebet, daß er die Kraft gefühlt hatte, ein so großes Opfer zu bringen. Und daß er doch endlich hatte erwachen können aus dem furchtbaren Traum. Und jetzt wunderte es ihn, daß er unter der Vorstellung, sein Bruder Friedl sei ein Raubmörder, auch nur eine Stunde hatte leben können.
Aber geschenkt wurde ihm die wahnsinnige Torheit nicht. Friedls lustiges Schimpfen schlug in derbe Vorwürfe um, in eine zornige Entrüstung, je klarer ihm die Sache ward.
»Das ist schon nicht mehr Dummheit, das ist Schlechtigkeit. Ich dank schön für eine solche Meinung über einen leiblichen Bruder.« So sprach er voll Zorn. »Also mein lieber geistlicher Herr hat geglaubt, ich hätt den Mord begangen und möcht mir’s gefallen lassen, daß sich ein anderer für mich hängen läßt! Was hast du schon gewinselt über deinen Schlag in mein Gesicht. Und was ist ein Faustschlag dagegen, daß du mich für eine solche Kanaille hast gehalten! Ich mag dich nit mehr, du Schandbub, ich mag dich nit mehr!« Und wie der Friedl das sagt, brüllt er auf vor Wut und Schmerz.
Und jetzt erst, jetzt erst ist dem einfältigen Elias ein Licht aufgegangen von der abgrundtiefen Gottlosigkeit, die in seinem Tugendopfer verborgen gelegen. Von der Lederbank stand er auf, im weißen Nachthöslein, auf den Knien rutschte er hin zu des Bruders Bett und bat um Verzeihung.
Hübsch lang ließ der Friedl ihn knien und bitten und weinen. Endlich hielt er’s nicht mehr aus vor Erbarmen. »Jetzt sei so freundlich und hör mir einmal auf mit deinem Wimmern! Ja? – Ich rat dir nur eins, bitt den heiligen Geist um Vernunft, wenigstens um so viel, was in einem Spatzenkopf Platz hat. Nachher kann man’s mit dir ja noch einmal probieren. Und jetzt schau, daß du in dein Nest kommst, sonst kriegst noch die Strauchen, und bei der ist’s nix mit der Märtierkron! Gute Nacht, dummer, guter, dummer Bub!«
Heimkehr ins Forsthaus
Und am nächsten Tage in frischer Sonnenfrühe ging es heimwärts.
Der Friedl hatte im Gerichtsgebäude noch die Einbrennsuppe ablehnen wollen; den Spitzbubenkaffee möge er nicht, er wolle sich einen anderen im Kaffeehaus kaufen. Da sagte Elias: »Bruder, tu nicht übermütig werden! Iß mit mir noch einmal diese braune Suppe, damit du von dem Gelde nichts auszugeben brauchst. Das wirst du, wie es dir das Gericht in die Hand gegeben hat, dem Zimmermeister Josef heimbringen.«
Wurde der Friedl ernsthaft und sagte: »Du hast recht. Ich hab mir’s selber fürgenommen und will’s nimmer vergessen. Elias, von jetzt an –«
Er blieb stecken. Allein als sie dann die Stadt hinter sich hatten, rechts und links der Straße die tauigen Wiesen, die Bäume mit den langen Schatten, die Berge im goldenen Sonnenschein – da griff er’s wieder auf. »Elias, ich sag’s dir, von jetzt an will ich anders werden. Lustig schon, wenn’s geht, aber leichtsinnig nimmer. Ein Hund bin ich gewest, wie ich den Vater immer einmal gekränkt hab!«