Da setzten sie sich ermüdet hin und schluchzten.

Und endlich fragte der Friedl, wie es gekommen sei.

»Wie wird’s denn gekommen sein?« rief die Alte unwirsch. »Wie’s halt kommt, wenn was sein will. Dran schuld seid auch ihr! Wenn man solche Dummheiten macht, daß man von den Gendarmen wird fortgetrieben, das soll einem Vater nit ’s Herz abstoßen?«

Fragte nun Elias scheinbar gefaßt: »Nicht wahr, Sali, unser Vater hat sich selber das Leben genommen?«

»Ja, leicht wohl, daß er’s selber hat tan, aber dran schuld ist auch noch ein anderer! Hab schon lang nimmer viel gehalten auf den Wirt. Am selbigen Abend – ’s ist am Tag, wie sie euch haben fortgeführt, der Michelwirt ist kommen und sagt, er will bei ihm bleiben, weil man ihn nit allein lassen kann. Und auch der Fürstand ist kommen und hat’s dem Wirt auftragen: Schau gut auf den Rufmann, hat er g’sagt, ich hab’s g’hört. Schau gut auf ihn, hat er g’sagt! Ich vertrau dir ihn an! Und hat ihm’s der Wirt müssen versprechen und ist der Fürstand wieder fort, weil das Feuer ist gewest auf dem Ringstein. Eine Weile sinds noch gesessen beieinand und umeinander gangen im Haus. Ich bet mein Rosenkranz, daß uns doch unsere liebe Frau nit ganz möcht verlassen. Nachher später, ’s ist schon finster gewest, schau ich zum Fenster aus und seh sie nebeneinander stehen auf dem Anger. Hättest ihn nit sollen auslassen, denk ich, weil er schon voreh mit dem Gewehr was hat anstellen wollen. Aber der Wirt schaut das Feuer an, leichtsinnigerweis, und rührt sich nit und schaut das Feuer an auf dem Ringstein. Und kümmert sich nit um den alten Herrn. Und auf einmal steht der Wirt allein da und der Herr Vater ist nimmer neben seiner. Da geht euch der Wirt noch a Weil vor dem Haus umeinand, eilen tut’s ihm gar nit, so daß ich denk, der Herr ist schon wieder im Haus; aber wie ich merk, er ist nit da, bin ich wohl auch geschwind gelaufen. Und steht der Wirt bei der Brucken und sagt: Ein End hat’s. – So, meine Kinder, so ist’s gewest. Sonst weiß ich nix. Und jetzt möget ihr euch denken, wer euren Vater auf dem Gewissen hat.«

»Der Michelwirt! Wir all miteinand,« sagte der Friedl.

Und Elias: »Ich ganz allein …«

»Der Wirt hat ihn auf dem Gewissen,« schrie die Sali. »Er hat nit geschaut auf ihn. Er hat ihn zu Fleiß ins Wasser gehen lassen und so ist’s und nit anders.«

O traurige Stunden in derselbigen Nacht. Still sind die gewesen, geschlafen hat keiner. Und um ein oder zwei Uhr nach Mitternacht, da macht der Friedl Licht und sagt: »Elias, du hast einen Schulatlas.«

Antwortete der Student: »Im Koffer obenan. Aber ein alter, die Eisenbahnen sind nicht drin.«