Das also ist die Haushälterin Sali, die jetzt in der Kammer am Wäschekorbe hockt, auf einmal aber das weißbehäubte Köpflein hebt und horcht. In der Nebenstube hat sie etwas gehört. Und schreit mit scharfer Stimme: »Wer ist denn da?« Und geht nachschauen, und tut einen hellen Schrei, halb in Schrecken und halb in Freuden. Mitten in der Stube steht der Elias. Das Studentel!
Er schmunzelt ein wenig und reicht ihr die Hand.
»Aber Jessas Mariassas Joselas!« ruft sie aus. »Bist denn heut schon da? Zum Samstag hat dich der Vater erwartet! Na, weil d’ nur da bist. Aber g’spitzt ausschaun tust, Elerl! Ja was denn, was tut dir denn fehlen?«
»Ah, nix weiter. Bissel mattschlachtig,« gibt der Junge zur Antwort.
»Mattschlachtig sagst! Werden wir schon machen. Will dich schon aufpappeln, aber heimbleiben mußt, nit gleich wieder fortlaufen. Das dumme Lernen da! Mag’s eh was nit ausstehn, das dumme Lernen. Geistlinger kannst ja so auch einer wer’n, wenn d’ nur fromm bist. Mit ’m Lernen ist noch kein Mensch in den Himmel kommen. Aber, weil’s wahr ist! – Gib her den Zegger!« Sie nahm ihm die Seitentasche ab, »aber so ein schweren Zegger schleppen!«
»Bücher hab’ ich drin.«
»Und hast die Kammertuchhemden mitbracht? Nit? Ja, du heiligs Kreuz, was wirst denn anlegen daheim? Die rupfenen, die werden dem jungen Stadtherrn wohl schon zu viel kratzen.«
»Ah na, das macht mir nix,« sagte der Junge, »wo ist denn der Vater?«
»Häst geschrieben, wann du kommst, wär er heimblieben. Wo wird er denn sein? Bei den Holzknechten im Teschenschlag. Der Friedl auch. Na, weil d’ nur wieder da bist. Dein’ Kaffee kriegst jetzt. Derweil wird die Stuben warm. Nur nit gleich ungeduldig. Daß die jungen Leut schon einmal gar keine Geduld haben!«
»Aber Sali, ich hab’ ja nichts gesagt, es eilt ja nicht.« Er mußte lachen, wie sie ihm gleich wieder Fehler ansinnen wollte, um darüber greinen zu können. Er warf das weiche Filzhütlein auf die Bank, legte seinen lodernen Oberrock ab; nun stand das schlanke, dunkelgraue Studentlein da. Das nußbraune Haar war schräms über die Stirn gelegt, es war ein wenig feucht, so daß die Sali gleich ihren Schürzenzipf hob, um ihn abzutrocknen. »Schwitzest ja wie nit gescheit! Mit dem närrischen Laufen allemal! Wirst dir noch sauber die Lungen kaput rennen!« – Unter seiner breiten Stirn die braunen Augen blickten weder krank noch traurig, aber gegen das Kinn herab wurde das blasse Gesicht bedenklich schmal und spitzig. Trotzdem stand die schon leicht ins Steirische biegende Nase und die kecklich aufgeschwungene Oberlippe munter in die Welt, in die Welt seiner freien, goldenen Waldjugend. Wieder daheim!