»Was macht denn der Waldl?« fragte er und eilte hinaus in den Hof zu dem Hundekobel. Das schöne Tier mit dem glatten kästengrauen Fell sprang ihn vor Freude so heftig an, daß er schier nach rückwärts taumelte. Sie scherzten miteinander und der Junge ließ ihn sofort alle Kunststücke treiben, die sie im vorigen Sommer miteinander eingelernt hatten. Aber die Sali kam bald nach, packte ihn fest bei der Hand und führte ihn aus der frostigen Märzluft in die Stube zum heißen Kaffee.
Abends das Wiedersehen mit Vater und Bruder war scheinbar gelassen. Sie küßten sich nicht, sie reichten sich ruhig die Hand, und der Förster fragte nur: »Ja, wo fehlt’s denn, Elias?«
Der zuckte rasch die Achseln. Er konnte es wirklich nicht sagen.
»Sie haben halt gesagt, ich sollt jetzt einmal heimgehen.«
»Beim Lernen – hat’s doch nichts?«
»Hab’ eh das Zeugnis mit,« antwortete der Junge. Als der Förster dasselbe durchlas, nickte er sehr wohlgefällig mit dem Kopf. »Friedl,« sagte er zu dem andern Sohne, »da könnte sich jemand ein Beispiel nehmen. Schau nur gerade einmal da her: Fleiß ausdauernd, Sitten musterhaft.«
Der Friedl schritt, die Hände in den Hosentaschen, in der Stube auf und ab. Das war er schon gewohnt, unter der Hand immer so ein bißchen erzogen zu werden. Weil einen halt ’s Leben freut. Die paar Jahre Realschule in Löwenburg bei den lustigen Kameraden, die haben doch nichts verdorben, im Gegenteil, da sind wir erst inne worden, was es auf der Welt für feine Sachen gibt! – Mit einem gutmütigen Bedauern blickte er auf seinen Musterbruder.
Dieser wieder betrachtete den leichtlebigen Friedl, der daheim so stattlich und hübsch aufgewachsen war. Wie eine junge Tanne, so gerade stand er da, im gebräunten Gesicht die schwarzen Augenbrauen, den kleinen, dunklen, leicht gewirbelten Schnurrbart. Die Nase, deren Entwicklung seit Jahren seine Sorge gewesen, war nun sein Stolz geworden; so stattlich wächst sie sich aus, und es ist kein Zweifel mehr an ihrem kühnen Adlernasenschwung. Besonders wenn man auch noch ein bißchen nachhilft.
Zum Abendessen gab es des Heimkömmlings Lieblingsspeisen. Rahmsuppe und Eier in Essig. Derlei war im Seminarium auch nicht ein einziges Mal vorgekommen. Dort lebt man von Reis, Wurst, Kartoffeln, Latein und Griechisch.
Nach dem kleinen und frohen Mahle, als der Friedl schon in die Schlafstube vorausgegangen war, kramte Elias aus der Ledertasche die Geschenke hervor, die er mitgebracht hatte. Für den Vater ein Gummibecherlein, womit er an Waldquellen Wasser schöpfen und trinken konnte. Für die Sali ein Muttergottesständel aus weißem Porzellan. Dafür ward er ausgezankt. Das habe er sich gewiß wieder vom Mund abgemagert. Ja, dann glaube sie’s freilich. Vom Sachenwegschenken werde man nicht fett. Ob die Muttergottes auch schon ihre heilige Weih’ hätte? Noch nicht? »Wird ein sauberer Geistlinger werden, der ungeweihte Heiligenbilder verteilt! Aber g’freun tut’s mich wohl, du Donnersbub du, daß d’ auf die alt Sali nit vergißt!«