»Du bist ja nicht artig, Elias!« rief er lustig, nahm unter schöner Verbeugung den Arm des Dirndels und hing ihn in den seinen. Dabei lehnte er sich gleich etwas zu stark an, so daß sie leicht zurückwich.
»O, verzeih!« sagte er lachend, »weißt, wenn einer den ganzen Tag auf dem Steinhaufen herumgekugelt ist, da tut’s wohl auf dem Blumenbeetel.«
»Sehen Sie, Herr Elias!« redete sie über die Achsel gegen den Studenten hin, gleichsam: Daran nehmen Sie sich ein Beispiel, so muß man’s machen, wenn man mit einem Mädel geht!
Dann erzählte der Friedl, wie er den Tag über mit bösen Buben umgegangen sei, so daß Gefahr bestehe, er könne auch selber einer werden, wenn er nicht noch knapp vor Abend sich an ein liebes Mädel mache.
»Bedank mich schön!« antwortete die Helenerl, was freilich ein Spott war, aber ein solcher, für den sie wünschte, daß er nicht übelgenommen werde. Übelgenommen? Nein, das wurde er durchaus nicht. Im Gegenteil, der Bursche gesellte sich noch traulicher, plauderte ihr so nahe ins Gesicht hinein, daß es ein paarmal knapp daran war, sein Mund könne ihre Wange berühren. Die Wirtstochter machte sich nicht viel daraus, sie kannte schon vom Wirtshaus her die Art junger Männer, die etwas unbedacht getrunken haben. Sie hielt ihr Gesichtchen nur ein wenig gegen die andere Seite.
»Aber gar so neidisch sein, Helenerl!« scherzte er. »Laß mich doch deine Äugerln anschauen, wird eh bald finster!«
Sie wendete ihr blondes Köpfchen und ließ sie ihn wirklich anschauen. Er tat das schier gründlich und sie schauten sich treuherzig in die Augen.
So waren sie wieder zurück über die Brücke gegangen. Hinter ihnen drein Elias. Das war ihm einmal etwas Neues. Hatte er schon früher keine Worte gefunden, jetzt fand er auch keine Gedanken. Er war verblüfft.
Zum Hause gekommen, nahm die Helenerl rasch ihren Arm an sich und ließ den Friedl allein stehen. Er schaute ihr nach und schnalzte mit der Zunge. Zum Fenster rief die Sali heraus, wo sie denn alleweil herumgäulen täten, die Buben? Ob sie den Kaffee das drittemal aufwärmen solle?
Während die beiden Alten in der großen Stube bei der angezündeten Lampe und beim Glase Wein noch frohgemut beisammensaßen, plauderten, erzählten, dann wieder eins sangen, gingen die Brüder noch einmal über die Brücke und drüben auf der Straße gegen die Schlucht hinein. Es dunkelte schon stark. Sie hatten eine Unterredung. Der Friedl hatte erzählt, daß aus dem Schneekugeltreiben auf der Wildwiesen nichts geworden war, weil die Lahnen gingen, daß es hingegen aber um so lustiger beim Krauthasen hergegangen. Das wäre ein närrischer Kauz, dieser Krauthas, und was er für Kunststückeln mache mit den Spielkarten, mit Bandeln und anderen Sachen. Feuerfressen könne er auch. Etwas unsauber, aber komisch. Ein kohlschwarzer Zauberer, den müsse der Elias doch einmal anschauen gehen.