»Ah na, das glaube ich nicht,« sagte Rufmann. Aber er glaubte es sehr schnell und er glaubte es sehr gern. Es geschieht ohnehin wunderselten, daß ein geheimes Herzensträumen wahr wird. So sehr der Alte sich entsetzte in selbiger Nacht, tatsächlich hatte er für seinen Buben Liebespläne gesponnen, lange bevor diesem von einer Frau etwas eingefallen war. Das war’s ja eigentlich, weshalb er so erschrak, als der Bub in der Nacht in Verlust geraten. Wenn er bei einer Unrechten klopfte! Und jetzt soll er warten, bis es die Jungen anzetteln, die lieben, dummen, ungeschickten Jungen. Und sollt sich blind und taub stellen, da doch schon halb Eustachen sehend und hörend ist. Hatte er nicht einen Freund, mit dem er sonst alles zu besprechen pflegte? Das halbe Anspielen und das halbe Verdecken tut’s nicht. Die halbe Wahrheit ist eine halbe Lüge. Wie Falschheit kam’s ihm vor, daß er nicht schon einmal offen über die Sache mit dem Michel geredet hatte.
Eines Tages saßen sie beisammen im Wirtsgarten. Es war ein klarer Tag nach einer klaren, kalten Nacht. Erst war das schlanke Mädel zwischen Busch und Baum dahingegangen gegen den Gemüsegarten, an dessen Rande sie auch ihre Blumen hatte, noch kaum erblüht, nur schwellend in zarten Knospen.
Die beiden Männer hatten anfangs beim Frühschoppen ein Gespräch geführt, dann huben sie an wie immer zu singen. Was gerade so anflog.
»Es waren einmal zwei Knaben,
Die zogen am Morgen aus;
Weiß’ Federn auf dem Hute,
Das Herz voll frischem Mute –
Und kamen nimmer nach Haus.
Der erste der ist begegnet
Wohl –«