»Laß nur Zeit,« sagte der Michel, »unser Herrgott wird den Kelch schon schütteln. Bis der Friedl nur erst den Lebensernst kennen lernt – es pressiert nit! Laß es nit pressieren, Rufmann! – Dann wird er schon ernsthaft werden. Und wird auch er nit verschont bleiben von harter Zeit. – Die macht den Menschen fest oder matt. Matt macht sie deinen Buben nit, dafür steh ich fest. Und beim andern, beim Elias, wird’s so sein: Der kommt erst zum leichten Sinn, bis er an anderen und sich selbst einmal erfahren hat, wie hart es hergeht auf der Welt. Jetzt besteht sein Welt- und sein Himmelglauben noch aus Buchstaben. Später wird er aus Arbeit, Leiden und Mitleiden bestehen. Und um solche Zeit wird der Mensch, der einen Kern in sich hat, erst geweckt und heiter. Elias ist zu früh ins Institut gekommen; ist schon derowegen nit schlecht, wenn er jetzt ein wenig herumsteigen kann und sehen, wie’s ausschaut in der Welt.«
»Ich werde ihn einmal fragen, ob er jetzt lieber ins Seminarium will oder daheim bleiben im Forsthaus.«
»Frag ihn. Wollen’s einmal sehen. Dir ist’s lieber, wenn er sagt: Seminarium. Mir ist’s lieber, wenn er sagt: Forsthaus.«
Eine Freude war es dem Rufmann, wie der Michel diesmal wieder gesprochen hatte, so recht aus der Wirklichkeit heraus. Der Wirt aber hatte sich dabei gedacht: Ich muß ihm so sprechen, daß er sich die Sache von besserer Seite kann einbilden. Er bildet sich den Buben ja doch weitaus am liebsten so ein, daß er daheim ist. –
Und am nächsten Sonntag, als der Förster und Elias miteinander von der Kirche gingen aus Ruppersbach, sprachen sie davon. Auf die Frage, was ihm lieber sei, antwortete zuerst der Student, er gehe gern ins Seminar, und er bleibe auch gern daheim.
»Das ist wieder einmal keine ordentliche Antwort, Bub! Deine Herren Professoren wünschen vor allem, daß du gesund werdest.«
»Aber Vater, was ihr nur habt. Ich bin ja gar nicht krank.«
»Also willst du wieder hinein?«
Jetzt schwieg der Junge und ging still hinter dem Vater einher. Als dieser einmal umschaut, hat der Student nasse Augen.
»Mir scheint, Elias, du bleibst jetzt doch noch lieber daheim!«