In der großen Hausstube, an den Herd festgebaut, steht der Backofen. Die rückwärtige Wand mit den grünen Kacheln geht ins Nebenstübchen. Diese Wand hat Sprünge bekommen und wenn Backzeit ist, kriecht durch dieselben der Rauch hervor, beißt der Hausmutter in die Augen. Wenigstens sagt sie so, wenn sie mit geröteten Augen daherkommt. Der Ofen muß geflickt werden und auch der Herd hat seine Schäden, Sprünge und Löcher, in denen die Schwabenkäfer wieder ihren eigenen Herd bauen.
So sind wir, der Hausvater und ich, dieser Tage ausgezogen, um Lehm zu suchen. Moorgrund in den Niederungen überall, aber weißer Lehm ist selten. Mein Bauer weiß es schon nach der Gräserart zu schätzen, ob unter dem Rasen Lehm ist oder nicht. Hinter dem Sattel drüben, in der Brandsteinschlucht, haben wir endlich einen gefunden. Es war gerade nicht leicht, durch Gestrüppe und Rasengefilze aufs Fletz zu dringen, dann ist es aber reiner käsegrauer Lehm, aus dem man auch weiße Wandtünche machen kann. Also, da hat mein alter Adam mit dem Spaten sich in seinen feuchten Urstoff hineingewühlt und ich habe die hervorgegrabenen Schollen in Säcke gefaßt.
Beinahe den ganzen Tag hat er so geschürft und gegraben, und nichts dabei gesprochen. Immer nur gegraben und gegraben, so daß ich habe sagen müssen: „Vater, lasset doch mich dazu. Ihr werdet wieder den Dampf kriegen!“
Er antwortet nicht und gräbt.
Endlich hat er sich niedersetzen müssen auf den Rasen. Mit den Hemdärmeln fährt et langsam über seine Stirn. Dann sagt er: „Ja, mein lieber Hansel, so gehts.“
Und sonst wieder nichts. Wendet nur so ein wenig den Kopf, als ob er horchen wollte, was das rieselnde Wässerlein sagt. Es sagt eigentlich nichts, es rieselt bloß und rieselt schon den ganzen Tag.
„Ja das wohl,“ spricht endlich der Adam zu mir. „Wenn dir auch einmal sollt hart werden und bang werden auf der Welt, Hansel: Nur fest zum Arbeiten schauen!“ Wie traurig hat er das gesagt.
„Mein Gott, Vater, ihr thut halt sonst gar nichts, als arbeiten. Da müsset ihr ja zu früh von Kräften kommen. Ihr habt doch noch andere Leute dazu.“
Er thut ein großes Stück Brot hervor, das wir für einen Imbiß mitgebracht haben, er hält es mir hin und auch den Taschenfeitel dazu: „Schneid’ dir ab, Hansel, schneid’ dir nur recht ab. Wohl wohl, bei meinem Aufwachsen hat’s noch mehr so willige Dienstboten gegeben. Jetzt schon lang nimmer. Es ist schon bald so, daß man den Leuten schier nichts mehr zu schaffen getraut. Und umgehen mit ihnen wie mit einem lehnen Ei, sonst laufen sie davon. Dem Nachbar Gleimer sind erst gestern wieder ein paar Knechte fortgegangen, wo jetzt die g’nötige Zeit kommt. Desweg —.“ Jetzt steckt er sich eine Brotschnitte in den Mund und redet nicht weiter.