Da wankte das Mädel zur Thür hinaus.

Die Hausmutter — sie stand still. Wie in den Boden gewachsen, so stand sie still und starrte in den dunklen Vorraum, wo das Mädel verschwunden war. Sie sagte kein Wort, kein einziges mehr. Die Arme hob sie, die Hände legte sie zusammen.

Dann beim Mittagsmahl. Die Barbel war nicht bei Tische erschienen. Der Rocherl war nicht erschienen. Niemand fragte, wo sie wären. Wir übrigen saßen schweigend beisammen, es wollte nicht schmecken. Eins um das andere legte den Löffel frühzeitig weg, stand auf und ging hinaus. Endlich bin ich allein dagesessen und habe nachgedacht, was all das bedeuten soll. — Am Nachmittag ging der Hausvater hinaus auf die Weide, um Löffelkraut zu suchen. Löffelkraut ist eine Arzenei für den Milzschwund.

Gestern früh, wie ich meine Rinder zum Brunnen lasse, gellt an der Hausecke ein wilder Schrei und sehe ich, wie der Rocherl, eine Holzaxt in der Hand, zwischen den Kirschbäumen durchläuft, am Raine hinaus, dem Schachen zu — einem andern nach. Und knapp vor dem Hause steht der Hasenschrecker, als wäre er auf seiner Stange zu Fuß vom Krautgarten herüber gekommen. Nur daß er die Arme nicht ausbreitet mit den Brettlein. Diese Arme hält er über der Brust und es liegt etwas drin — eine mit Faden zusammengebundene Strohpuppe. — So steht das Ungetüm vor ihrem Fenster....

Ich glaube, daß der Popanz von niemandem bemerkt worden ist, außer dem Rocherl und mir. Ich habe das Ding in die Streuscheune geschafft und es dort in tausend Stücke zerrissen. Den Tag über habe ich gelauert, ob die Hausvatersleute oder gar sie selber den abscheulichen Schimpf am Ende wohl doch wahrgenommen hätten. Sie thaten nichts desgleichen. Es war die stille Traurigkeit, wie gewöhnlich. Auch mit dem Rocherl habe ich kein Wort darüber gesprochen, er war verstört den ganzen Tag.

Und wer dem Hause die unerhörte Schmach angethan, der — könnte mich ins Kriminal bringen.

Sechsundzwanzigster Sonntag

Am sechsundzwanzigsten Sonntage.