Bald darauf kam die Mutter hinein. Ich stand just im Vorhause hinter der Thür. Die Hausmutter that anfangs recht gleichmäßig, man muß bei ihr aber nur das Zucken an den braunen knochigen Händen kennen!
„Du Barbel!“ sagte sie, „warum bist du denn nit in die Kirchen gegangen?“
Der Mutter antwortete sie nicht so.
„Das hab’ ich doch meiner Tag nicht gesehen,“ fuhr die Hausmutter fort. „Bleibt der große Leutstock in der Hütten hocken! Dieweil jede ordentliche Dirn mit ihrem Kranz beim Umgang ist, wie sich’s gehört! Gehst du jetzt auch noch nit herfür? Wart, dir will ich noch einmal zeigen, wo das Loch ist hinaus! Trutzen die längste Zeit, und kein Mensch weiß, warum!“
„Getrutzt hab’ ich nie, Mutter!“
„Nit! Getrutzt nit! Also was denn? Ist das vielleicht Zulebigkeit, wenn du mit niemand nichts redest die ganze Zeit und ein Gesicht machst wie ein Armenseelenstagwetter! — Ist dir was nit recht? Geht dir was ab? Hat dir wer was gethan? Ich leid’s einmal nit, die verdankte Mockerei!“
„Mocken thu’ ich nit!“ sagte die Barbel.
„Die Leut’ reden schon all!“ fuhr die Hausmutter fort. „Gerad’ ausgewichen bin ich ihnen, weil mich jedes gefragt hat auf dem Kirchweg: Wo ist denn heut’ die Barbel? Und wesweg zeigt sich denn die Barbel nit auf? — Daß du Zahnweh hättest, hab’ ich lügen müssen. Schand und Spott kunnt’st bringen über uns miteinander, wenn’s nit all thäten wissen, daß du brav bist.“
Das Mädel wendete sich seitab, um das Linnenzeug in den Schrank zu thun.
Die Mutter ging ihr ein paar Schritte nach und sagte: „Barbel! Schau mich an! Schau mir ins Gesicht!“