So der Adam und berichtet mir dann mancherlei von seinen Vorfahren. Seit Menschengedenken sind sie auf diesem Hofe gesessen. Nichts als Arbeit so weit man zurückschaut. Keiner derer vom Geschlechte der Weiler war je in der Fremde gewesen, keiner Soldat oder sonst was außergewöhnliches. Immer auf dem Stammhause nach Vatersbrauch in alter Sittsamkeit und Ehr’. „Keiner hat Unehr’ gemacht,“ hob er hervor, „im Kirchenbuch kann man’s ja sehen.“ — Das Adamshaus, so hat’s seit alters her geheißen und jeder Adamshauser hatte stets nur die eine Lebensaufgabe gehabt, das Bauerngut für seine Kinder zu bewahren.
„Und diese Kinder —“ setzt der Adam leiser sprechend bei, „machen einem...“ Er hebt einen Seufzer aus der Brust: „So viel Kummer machen sie einem! — Nimm noch Brot, Hansel.“
Auf mein Vorhalten, daß er ja brave Kinder habe, antwortet er: „Freilich wohl, freilich wohl! Wenn sie nit gut wären, thäten sie einen nit so derbarmen. — Der eine ist ein Hascherl mit der Hand. Der Gesunde in der Stockfremd’ thut sich zu Tod kränken.“
„Der Valentin, ist er wieder krank?“
„Die Heimkrankheit, oder was.“ Der Adam sucht in den Taschen und findet im Hosensack einen zerkrümmelten Brief und ich möchte ihn lesen. Den muß ich dir abschreiben.
„Liebe Eltern!
Im Anfang meines Schreibens bedanke ich mich fürs Geld und mache euch zu wissen, daß vom Spital wohl heraus bin, aber sonst nicht weiß, was mit mir ist, indem Keiner auf Urlaub gehen darf und heißt es, ein Feldzug. Wenn das sollt sein, weiß ich nicht, was geschieht und möcht wohl am liebsten bei der Nacht davon und heim. Dem Rochus sein Brief hat mich geschreckt, derbarmt mir wohl hart und die Hand wird nicht billig verkauft, wenn ich den Jäger einmal derwisch! Sonst nichts Neues, die Übungsmärsche in der Hitz sind wohl nicht leicht. Ich schließe mein Schreiben mit tausend Grüßen an euch, liebe Eltern und Geschwister, und verbleibe euer dankschuldiger
Valentin.
Laibach, am 24. Juni 1897.“