Und eine Nachschrift. In derselben warnt der Valentin die Seinigen vor dem fremden Knecht. „Sollt’s ihm nicht trauen, wer weiß, was er im Sinn hat. Es giebt allerhand Leut’ auf der Welt.“
Jetzt erst wurde es mir klar, weshalb der Adam vorhin so mit mir gesprochen hatte. Das war alles so, als sollte einerseits kein Hehl sein von den Bedenken und auch kein Hehl von dem Vertrauen.
„Was das Letztere anbelangt,“ sagte ich nun, ihm den Brief zurückgebend, „so würde ich an seiner Stelle wahrscheinlich auch nicht anders schreiben. Bis er heimkommt, wird er mich ja sehen. — Und heute abends wollen wir ihm schreiben. Das mit dem Feldzug ist Zeitunggeschwätz. Im Herbste wird der Jahrgang sicherlich beurlaubt. Und das bei der Nacht davon und heim schlägt sich ein tapferer Bauernbursch flott aus dem Kopf.“
Der Adam flocht seine hageren Finger ineinander und sagte: „Du kannst mir’s nit glauben. So oft ich bei der Nacht wen an die Hausthür klopfen hör’, kommt’s mir vor: der Valentin! Jetzt ist er da. Und morgen fangen sie ihn ein und derschießen ihn.“
„Ihr denkt gleich an das Allerschlimmste. Wem’s ohnehin so hart zusetzt, der sollte sich’s nicht noch härter machen. Es giebt auch noch andere Gedanken. Euer Franzel, an dem könnt ihr doch eine Freude haben. Der hat das Köpfel, der kann’s zu was bringen.“
„Ja, ja,“ entgegnete der Hausvater, „der Lehrer sagt’s auch, wenn der Franzel wo hinkommen könnt. So geht’s halt. Der Eine will heim und der Andere will fort. ’s ist Einem wohl jedes Kind ans Herz gewachsen — eins wie das andere. — Mit dem Mädel...“
Er stand auf, ging ein paar Schritte über die Schollen hin, ging wieder zurück. Dann riß er am Erlenbusch einen Zweig ab und ließ ihn sachte nieder fallen.
„Mit dem Mädel,“ sagte er dann und brach neuerdings ab. „’s ist halt ein Kreuz.“
Dieser Stein, das merkte ich wohl, war der schwerste. Wenn er ihn heben wollte von seinem bangen Herzen, sollte ich ihm nicht dabei helfen?
„Die Barbel,“ sagte ich, „jeder Vater hat kein so liebes Kind.“