„Die halben Nächte kann ich nimmer schlafen, ihretwegen. — Es geht nit recht her. Hansel, es geht nit recht her mit der Barbel! — Ganz herzkrank ist sie uns worden!“

— Ganz herzkrank ist sie worden! Das bekümmert ihn?

„Wäre es denn so groß Wunder?“ sagte ich. „In solchen Jahren braucht der Mensch muntere Ansprache. Sie hat keine Gesellin, keine Freundin, wie andere Dirnlein ihres Alters. Immer allein mit sich selber, mit der herben Mutter, dem armen Rocherl. An uns zwei Alten ist auch nicht viel Lustiges zu finden. Da muß ein junges Wesen freilich ernsthaft werden, und traurig mit der Zeit.“

Mein Hinweis auf solche Ursachen befreite ihn fast.

Wäre nur auch ich von meinen Worten überzeugt gewesen. Ich weiß die Hasenschreckergeschichte und er weiß sie nicht. „Keine rechte Gespanin hat sie,“ sagte er. „Wird eh so sein, wird eh so sein!“ — Aber bald wurde er wieder nachdenklich, trocknete sich den Schweiß und murmelte für sich: „Wenn’s was anderes hätt’! — ’s wär’ nit zu überleben...“

Gegen Abend habe ich den Lehmsack auf meine Achsel genommen und heimgetragen ins Adamshaus. Der Adam geht, am Spatenstiel gestützt, langsam hinter mir her. Er hat keinen Lehmbündel auf dem Rücken — aber ich wollte es leicht erraten, wer von uns beiden schwerer trägt. —

Nun muß ich dir aber noch ein verteufelt artiges Stücklein erzählen.

Am Montag hatte ich drüben am Schachenrain zu thun. Es müssen dort die Hecken gerodet werden, weil der Adam Rüben anbauen will. Bei dieser Arbeit fällt es mir auf, daß im Schachen manchmal so ein Wiederhall ist, als würde irgendwo laut geschrien. Zu Mittag sage ich das dem Rocherl, und ob denn die Hirten aus der Planalm so schrieen? Anstatt einer Antwort sagt er, das Heckengraben sei jetzt nicht nötig, ich müsse für den Nachmittag ins Thal hinab, es sei die Mühlbachwehr gebrochen. Der Hausvater schickt mich aber doch in die Hecken und den Rocherl mit, daß er das Strubwerk zusammenschleife zum Verbrennen. Und da höre ich wieder das Schreien.

„Es kommt vom Ausgedinghäusel herüber!“ sage ich. Das steht nämlich drüben, hinter dem Schachen an der Schlucht.

„Das Häusel ist ja unbewohnt, und es kommt auch kein Mensch hin,“ sagt der Rocherl hart.