Gestern ist ein Händler zu uns gekommen. Der hat die Felder geprüft und gemessen und das Korn auf dem Halm gekauft. Mein Hausvater bekommt einen Vorschuß auf die Hand, der kaum ausreicht, um die allerdringendsten Steuern und Anschaffungen zu bestreiten, aber gerade groß genug ist, um ihn rechtlich zu binden. Der mehrere Teil soll ihm ausbezahlt werden im Frühherbst, wenn das Getreide, unversehrt vor Wetterschlägen, Nässe, Dürre, Wildfraß und anderem Unheil in die Säcke rieseln kann. Nämlich so: Ist die Ernte gut, so hat der Händler den Vorteil, schlägt das Unglück, so hat mein Adam den Schaden. Der hat wohl recht den Kopf geschüttelt, aber unterschrieben hat er doch. Denn es ist kein Kreuzer im Hause. In früherer Zeit hat man im Bauernhause das Geld entraten können, da haben sie fast alle ihre Bedürfnisse an Nahrung, Gewand und Haus mit eigenem Werk befriedigt und besser, als heute mit gekauftem. Der Adam sagt, sein Vater habe für Haus und Familie im ganzen Jahre nicht dreißig Gulden Geld ausgegeben. Mein Herr Stein von Stein spendiert sich jährlich fünfhundert Gulden für Cigarren, und seine Frau Gemahlin nicht weniger für Handschuhe, Puder, Schminken und Salben. Und der fleißige Bauer? — Es wackelt in der Welt.
Ich bin mit einem Ochsenpaare und einem Karren nach Hoisendorf geschickt worden, da ist’s einmal hoch hergegangen: Einen Metzen Weizenmehl, einen Salzstock, dann Feldwerkzeuge, als Sensen und Sicheln, dann Eisenstiften, Zündholz, Wacholdergeist und Rosenbuschbalsam zur Medizin. Der Hoisendorfer Schmied kann glasen und wachsziehen, bei dem habe ich Fensterscheiben und einen Wachskerzenstock erstanden. Ferner habe ich einen Krug Lichtöl eingekauft. Als Aufklärer von Fach that ich meinen guten Leuten das Petroleum solange anpreisen, bis sie es versuchten. Es gefällt ihnen und mich reut es. Das Öl kostet Geld, den Kienspan hatten sie umsonst. Den Bauern Geldausgeben lehren und ihm das Schuldenmachen angewöhnen, wie unsere Kreditvereine und Sparkassen es thun, das ist schon die richtige Volkswirtschaft, das! Der Adam fühlt sich manchmal noch altständig und sagte gestern ganz einfältig: „Wenn alle Stricke reißen und alle Brücken brechen, so leben wir halt von dem, was wir selber bauen. Und brauchen keinen Teuxel wen sonst dazu.“ — Welch ein anderer Stand könnte das je von sich sagen!
Na, ich wollte dir eigentlich etwas anderes erzählen.
Ich sitze auf der Karrenladung und leite mit der Gerte die braven Ochsen stetig durchs Thal herein. Und lobe sie, daß sie so folgsam sind und so fest anziehen, und die Gerte brauche ich nur, um ihnen die zudringlichen Stechfliegen vom Leibe zu wehren. Wie wir zur Bachbrücke kommen, steht dort der Lehrer. Er hat die Ärmeln aufgestreift und ist beim Fischfang. Zwei weißbauchige Forellen hat er schon hübsch in ein großes Lattichblatt gebettet und fragt mich gleich, ob ich sie nicht wollte mitnehmen ins Adamshaus. Dort gebe es jemanden, der gern gebratene Forellen esse.
Ich will zuerst dieser Sache ausweichen und sage: „Gieb acht, Winter, daß dir der Konrad die Hand nicht abschießt!“ Denn der Jäger hat auch die Aufsicht über das Fischwasser.
„Der Jäger Konrad ist zahm geworden,“ sagt der Lehrer. „Den muß das böse Gewissen schon stramm zusetzen, des Rocherls wegen. Seitdem läßt er alles gehen, ich glaube, vor dem könnte man jetzt den Steinbock aus dem astronomischen Tierkreis schießen.“
„Ja ja, dort oben ist der Herrgott Jagdeigentümer, hier ist’s der Baron!“
Dieweilen habe ich mein Fuhrwerk angehalten. Der Lehrer streift die Ärmlinge vor und reicht mir eine Cigarre auf den Karren.
„Na nu! So etwas rauchst du?“