Jetzt kommt es mählig über mich, ich müsse auch für was gut sein. Ich müsse, was da leidet und irrt nach meiner Möglichkeit zum guten wenden. Er ist ja ein Thor mit seinem Verdachte. Nur steht die Frage offen, ob man in seiner Lage nicht am Ende selbst ein solcher wäre? In dem Hitzegrad, wie wir beide zusammengeriethen, duelliert man sich ja schon bei euch draußen. Hier ringt jeder mit sich selber, daß es zum guten werde für dieses arme Kind. Und ob starke Herzen nicht den Erdfluch zum Erdsegen wandeln können?! —
Und dann habe ich dir heute noch etwas zu erzählen.
Wir wollen in der nächsten Woche brachen, das heißt, den Acker umbrechen für die Wintersaat. Sehe ich nun heute in der Zeughütte nach, ob der Pflug im Stande ist. Und wie ich just mit dem Schlägel den locker gewordenen Arling festkeile, pipst draußen jemand: „Hänsel“ und eine zweite Stimme kräht: „Grethel!“ Und stehen im nächsten Augenblick zwei Herren von der „Kontinentalen“ vor mir.
Ich habe keine Lust, die Reize dieses Wiedersehens zu schildern. Herr Sammer und Doktor Wegmacher! Mit einer wahren Sündflut von Witzen sind sie auf mich eingedrungen. Ganz gutmütig, unzutreffend und geistreich dumm, die Bösartigkeit lag nur in der Menge. Sehr belustigten sie sich über meine entbarteten Backen und nannten mich „Euer Wohlgeschoren.“ — Auf einem touristischen Ausflug waren sie natürlich ganz zufällig in die Hoisendorfer Gegend gekommen. Durchwegs eine dunkle Gegend, aber aus der Ferne hätten sie ein Licht gesehen und diesem Lichte wären sie zugegangen und demnach urplötzlich vor dem klassischen Mistrüppel gestanden.
„Erleichtert euch immerhin, meine Herren“, habe ich gesagt, „nur erweist mir die Gnade, euch vor meinen Hausgenossen nicht legitimieren zu müssen. Ich begleite euch ins Thal hinab, durch den Waldsteig. In Hoisendorf giebts ein gutes Wirtshaus und morgen früh, recht zeitlich, wandert es sich prächtig durch die schattigen Schluchten hinaus in die schöne, lichte Welt.“
Wirklich schon in Todesangst war ich, sie könnten mir alles verschütten, aber das Wirtshaus übte eine solche Anziehungskraft, daß für den Adamshof die Gefahr bald vorüberging. Unterwegs haben sie mir Neuigkeiten erzählt von der „Kontinentalen.“ Doktor Angelus Mayer, der Redakteur des Feuilletons, ist nach irgendwo ausgewandert. Der Reporter für den Gerichtssaal wurde in eine Nervenheilanstalt überführt. Mir ist das nicht ganz geheuer, denn die genannten Herren waren Zeugen bei der Wette. Es ist noch der dritte vorhanden, der Administrator Lobensteiner. Was hatte ich dir auf dein Bedenken vor Wochen geschrieben? Daß drei lebendige Zeugen besser seien, als ein toter Federstrich? — Jetzt wäre mir der tote Federstrich lieber. Da ich nun sozusagen auch die Schullehrersippe auf mich genommen habe. — Der Chef, wußten die Herren zu sagen, spreche nicht gern von mir, oder nur achselzuckend wie von einem Sonderling, der seinen so hübschen Posten einer lächerlichen Bravour geopfert habe. — Ich ließ mich schön empfehlen. — Aber der Herr Knecht würde doch ins Wirtshaus mitkommen. Dieser gütigen Einladung wurde jegliche Antwort verweigert und als wir zur Bachbrücke kamen, verließ ich die Herren mit der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen zu Neujahr.
„Au, Teufel!“ rief der eine, „ist das eine Dreschflegelbratzen! Dein Händedruck ist ja das reine Vergehen gegen die körperliche Sicherheit!“
Dann hatte ich sie glücklich los. Eine halbe Stunde später kniete ich in der dämmernden Stube des Adamshauses und betete mit den Hausgenossen den Psalter.