„Mir auch nicht. Aber zur Sache gehört’s für den romantischen Bauernknecht, daß er ein junges Liebespaar glücklich macht. Zweitausend Kronen sind dir fällig zu Neujahr. Du willst doch dein Weib und ich meinen Roman! Nun also! — Kopf aufrecht, Junge!“

Da hebt er an mit gröblicher Derbheit die Stube auf- und abzugehen zwischen den Schulbänken. Die Hände auf dem Rücken, den Kopf vorgebeugt: „Ich kann mir nicht helfen! Es kommt mir immer wieder, es ist verflucht!“ Plötzlich bleibt er stramm vor mir stehen und sagt in bestechendem Tone: „Warum gerade dir so viel an dieser Heirat liegt!“

Das alte Teufelslied ist schon wieder da! — Aber ich bin diesmal kalt geblieben, oder vielmehr kalt geworden.

„Winter!“ sage ich, „des öfteren habe ich dir den Rat gegeben, du sollst hinaufgehen. Jetzt gebe ich dir einen besseren Rat. Gehe nicht hinauf. Lasse sie, die du verführt hast, in Not und Unehr’ allein. Lasse sie hinwelken und in jungen Jahren sterben. Es ist besser, als du wirst zum Henkersknecht ihrer Liebe und peinigst sie mit Verdacht und hetzest sie mit Eifersucht in Verzweiflung und Stumpfsinn hinein. Schurken, die ein unschuldiges Wesen verderben und dann Ausflüchte suchen —“

Aufgröhlt er wie ein getroffener Eber, von der Schulbank bricht er schmetternd eine Latte und damit auf mich zu.

Ich stoße ihn mit der Hand seitlings: „Daß einen der leidige Zornteufel erfaßt, wenn ein Schulmeister nicht rechnen kann!“

Das hat er doch verstanden und ist still geworden. Und ist denn demütig zu mir gekommen: „Hans, die Liebe und die Sorgen! Das macht wahnsinnig! Nur soviel laßt mir noch Zeit, daß ich ein wenig den Weg machen kann, der uns zusammenführen soll.“

„Was ich vorhin gesagt habe, das ist gesagt. An dir liegt’s, ob ich dir Unrecht gethan oder nicht. Wenn ja, dann sollst du deine Genugthuung haben...“

Hierauf rasch davon. Und lange that es noch wetterleuchten in dunklen Seelen.

Seit meinem Aufenthalte im Adamshaus ist etwas, das früher nicht gewesen. Bei so manchem, was ich thue, frägt etwas in mir: War’s recht? War’s gefehlt? — Was ändert mich nur so? Ist es der Adam mit seiner Geduld, die Barbel mit ihrer heimlichen Liebespein, „von der niemand nichts weiß“. Ist es die Bravheit und Tüchtigkeit dieser Leute? Ist es der Ernst der Arbeit, die Größe und Herbheit der Natur? — — Gott, was war ich für ein Windhund in der Zeitungstube!