„Die Mutter hat dir doch Geld mitgegeben?“ erinnere ich den Rocherl.

„Ja,“ sagt er, „den Dukaten. Der ihr Bindband ist gewesen, wie sie der Vater genommen hat. Jetzt ist’s mir unterwegs eingefallen, was nutzt dem Valentin der Urlaub, wenn er kein Geld hat zum Heimfahren. Und habe ihm gleich den Dukaten telegraphieren lassen.“

Darauf ich: „Ihr seid nicht klug. Ihr wisset es doch, daß ich immer bissel ein Geld im Sack habe.“ Dir offen gestanden, viel nicht mehr! Die aus der Stadt mitgebrachten Kapitalien, vermehrt durch den Erlös von Uhr und Ring und ander Ding, haben hier einen verdammt schlechten Zinsfuß. Ihrer fünfundzwanzig Gulden, oder nahe dran, damit hieße es auslangen bis Neujahr, wenn nicht auf den Baumwipfeln die Vögel sängen: Sorge nicht für den morgigen Tag.

Es ist dunkel geworden, die Wölklein am Himmel haben noch den Rosensaum des Abendrotes. Geruhsam ist alles, und wenn der Weg nicht seine tiefen Löcher und die Bäume nicht ihre gebrochenen Äste hätten, man dächte nicht daran, wie wahnsinnig diese stille Natur manchmal werden kann.

Vom toten Vater sprechen wir nicht, doch wendet der Rocherl sich wieder einmal um und sagt: „Jetzt wirst es doch glauben, Hansel!“

„Was soll ich glauben?“

„Daß dieser Mensch unser Unglück ist.“

Ich habe keine Antwort gegeben.

Endlich kommen wir hinan zum Hause. Das liegt da, eine dunkle Masse, aus zwei Fenstern leuchtet ein roter Schein. Der Rocherl bleibt stehen. Ich sage, er solle doch gleich mitkommen zur Mutter und Schwester. Er bleibt noch immer stehen und jäh hebt er an, heftig zu weinen. — Er weiß es wohl. Dort, wo der Fensterschein ist, steht die Bahre. Doch, wie wir hinkommen, ist im Hause nicht der Totenfrieden, ist vielmehr ein wirres Durcheinander von Weibern. Der Lehrer kommt zur Thür heraus uns entgegen und sagt: „Wir haben neues Unheil. So wie ich ist noch keiner gestraft worden...“