Wir haben den Toten auf der Bank ausgestreckt und dann in größter Betrübnis Rat gehalten, was jetzt zu geschehen hat. Der Franzel wird um die alte Marenzel geschickt, daß sie die Leiche wasche, in den Sonntagsstaat bringe und aufbahre. Der Kleine eilt flink wegshin. Das ist einer, der es noch nicht erfahren hat, daß jemand, der gestorben ist, nimmer und nimmermehr vorhanden sein wird. Der Rocherl muß den Stecken in die Hand nehmen zu einer Wanderung nach Kailing, um die Depesche aufzugeben an den Valentin in Laibach und Sachen für die Leichenfeier heimzubringen. Ich bin nach Hoisendorf hinabgegangen, um beim Kuraten und dem Totengräber die Bestattung zu bestellen. Überall errege ich mit meiner Nachricht die höchste Bestürzung; nur der Kurat hat’s gelassen angehört, wie eine alltägliche Sache. Er ist es ja gewohnt, das Sterben — bei anderen. Als es zum Verscheidenläuten ist, „Schiedungläuten“ sagen sie hier, fehlt der Lehrer, der solchen Küsterdienst sonst zu verrichten pflegt. Daß, und wo der auf Freiersfüßen aus ist, habe ich nicht sagen mögen. Der Lehrling vom Schmied und ich haben uns an die Glockenstricke gemacht, ich in jeder Hand einen, so haben wir es ins Hochthal hinausgeläutet: Beten, beten sollet ihr! Ein Mitbruder ist verschieden! — Das hat mir der Schmiedjunge gleich erklärt: wenn’s ein Mannsbild ist, müsse zum Schluß die große Glocke einige Züge lang nachgeläutet werden, bei einem Weibsbild die kleine. Damit sie es wissen. — Dann mit dem Totengräber, das war schlimm. Denn es ist keiner. Man muß von Haus zu Haus gehen und bitten um Knechte, die — es ist dafür eine Formel vorhanden — „aus christlicher Barmherzigkeit den abgerufenen Pfarrgenossen N. N. ein Erdenbett bereiten zur ewigen Ruh.“ — Sind uns nachher drei Knechte zusammengekommen; ich habe mitgethan, mein lieber Alfred, und so haben wir mit Haue und Schaufel meinem Hausvater eine Raststatt gebaut, wie es keine bessere giebt. Den Sarg macht der Zimmermann Martin, der gleich gesagt hat, das Maß dazu wolle er an sich selber nehmen, sie seien hübsch gleich groß gewesen.

Auf dem Heimweg in der Abenddämmerung treffe ich den Rocherl, der schon von Kailing zurückkommt. Er hat ein Bündel mit Weizenmehl, Preßhefe, Leichlichtern und ein weißleinenes Decktuch — „Überthan“ sagen sie — für den Sarg.

Wie wir so hintereinander den steilen Berg hinaufsteigen, erinnere ich mich an jenen ersten Tag, als dort unter dem Lärchbaum im Schnee mit dem Mehlbündel ein erschöpfter Mann gesessen war, aus dem nachher mein guter Hausvater Adam geworden ist.

„Jetzt wird er’s schon wissen,“ sagte der Rocherl.

„Wie es im Himmel ist, meinst du?“

Der Bursche stutzte und sagte noch einmal: „Jetzt wird er’s schon wissen, der Valentin.“

— Ob es nur auch die Barbel schon weiß? denke ich mir. Der Lehrer muß noch oben sein, weil er nicht unterwegs kommt.

„Wenn er nur Urlaub kriegt?“ warf der Rocherl auf.

„Es ist eine Frage. Haben sie Übungsmärsche, so ist es gar nicht möglich. Übrigens kommt er wahrscheinlich zu spät, denn übermorgen früh ist das Begräbnis.“

Dann erzählte der Bursche, daß der Kailinger Kaufmann wohl recht grob geworden sei, wie er ihm die Sachen hübsch in ein Bündel zusammengeschnürt hergiebt und hört, daß er heute kein Geld kriegt.