„Dann gehört es nicht hierher,“ sagte der Kurat und sein sonst gutmütiges Gesicht nahm einen peinlichen Ausdruck an. „Draußen vor der Hecke ist der Anger. Ich will es gerne segnen, nur solltet ihr wissen, daß die Erbsünde, die nicht durch die heilige Taufe gelöscht ist, in geweihter Erde nichts zu suchen hat. Und in diesem Falle schon gar nicht, leider Gottes!“
Als die Leute verstanden, der Kurat wolle das kleine Kindlein ausweisen, entstand ein Aufruhr. Der Lehrer, der beim ganzen Begräbnisse nicht zu sehen gewesen, jetzt war er auf einmal da. Dem Burschen nahm er das Trühlein aus der Hand und sagte ziemlich laut: „Es ist mein. Ich will es im Garten begraben und darüber eine Tafel setzen: Hier ruht eine Erbsünde, die nicht durch Christi Blut erlöst worden ist.“
Na du, da ist’s mir merkwürdig kalt über den Rücken gelaufen, wie er das gesagt hat. Die Leute halten ihren Atem ein. Was wird jetzt geschehen? — Der Kurat schaut wehmütig drein, schüttelt den Kopf und sagt dann zum Burschen: „Thue es hinab.“
Und nichts weiter.
Wir haben es zu Füßen des Großvaters gestellt und dann Erdsegen darauf geworfen mit der Schaufel.
Wie das vorbei ist, drängt sich zwischen den Leuten, mit dem Ellbogen sachte eine Gasse bohrend, der Gleimerbauer mit seinem Weibe hervor, sie stellen sich ans Grab und heben an zu singen. Er mit rauh röchelnder Stimme, sie mit grellem Diskant, in der Melodie gleichmäßig beide steigend und fallend, als ob es eine einzige Stimme wäre, aber geteilt in einen dicken Strick und einen dünnen Faden. Stadtleute, wenn ihrer dagewesen wären, würden sich die Zunge wund gebissen, oder ganz ungezogen aufgebrüllt haben. Mir ist nicht ums Lachen gewesen, dieses schlechte Singen voller Gläubigkeit und Innigkeit ist mir nicht bloß durch Mark und Bein, ist mir auch ins Herz gegangen. Besonders als schließlich die ganze Gemeinde mit einstimmte zu einem feierlichen Trauerchore. Die Melodie, ein getragenes Moll, so war mir, mußte ich schon gehört haben in längst vergangenen Tagen, vielleicht zur Zeit der Nibelungen, vielleicht bei einem Odinsfeste unter germanischen Eichen. Den Text hatte seither das Christentum dazugegeben und die Wehmut der neue Mensch. Die Worte kann ich dir mitteilen, aber sie haben keine Seele, wenn diese Töne des zum Himmel gehobenen Weinens, des heldenhaften Hoffens fehlen.
Am Grabe meines Adams haben sie seiner Seele also nachgesungen.
„Fahr hin, o Seel, zu deinem Gott,
Der dich aus nichts gestaltet,
Der dich erlöst durch seinen Tod,