Da hätten wir es ja. Das kann eine saubere Geschichte werden. In sommerlicher Hochstimmung war mir die Sache schon gleichgültig gewesen; jetzt mit der sinkenden Sonne des Jahres kommt die Geldgier und die Rechthaberei. Auf die Wette verzichte ich nicht! — Sofort schrieb ich dem Rechtsfreunde zurück, alles aufzubieten, daß die Zeugen zu stande kommen, daß sie fest bleiben und daß nötigenfalls der Gegner auf einen Eid getrieben werde. Aber es wird sich vor Ablauf der Frist nichts machen lassen. Wir haben noch ein Vierteljahr.

So kriecht der Teufel allmählich auch deinen Bauernknecht an, den du, mein Alfred, immer so tapfer aufrecht erhalten hast. Deine philosophischen Zusprüche haben stets gute Dienste geleistet, aber von jetzt ab wäre ihm, offen gestanden, Bargeld lieber.

Vierzigster Sonntag

Am vierzigsten Sonntage.

Meine Sonntagsbriefe fingen an, dir sehr weh zu thun, schreibst du. Siehe, das freut mich. Ich wünsche dir kein anderes Leid, als das Mitleid. Daß du mit uns Mitleid hast, das thut mir wohl.

Die heutigen Mitteilungen werden auch gerade keine Frohbotschaften sein, obschon der Herbsthimmel über uns sonnig blau ist und aus der Erde ein frisches Frühjahrsgrün sprießt. — Dieser junge dumme Mensch? Er bleibt verschollen. Wir vermuteten schon, daß er nach Laibach gereist sein könnte, um seinen Bruder von der Strafe loszubitten. Wenn es sein könnte, er würde selber für den Valentin einspringen; es ist eine verzehrende Leidenschaft in seiner Liebe, wie in seinem Hasse. Der Soldat hat übrigens einen Brief geschrieben, bei dem die Hausmutter vor Freude in die Hände geklatscht hat, wie ein alter Drescher auf dem Tanzboden. In Berücksichtigung der besonderen Umstände, die wir dem Herrn Obersten bittweise auseinander gesetzt hatten, habe es mit achtundvierzig Stunden Stockhaus sein Bewenden gehabt. Diesen Obersten — und wäre sein Schnurrbart noch so struppig — möchte ich dir abküssen, wie ein Kirchweihtanzmädel!

Apropos, Mädel! Mein Mädel! Das heißt unseres! Das heißt, seines, des Lehrers Mädel! Es ist aus dem Bette, aus der Kammer. Es zieht bereits Rüben aus der Erde und hat sogar schon wieder einmal gelacht. Am vorigen Mittwoch, als wir abends um den Herd herumsitzen und von den eingebrachten Rüben das Kraut wegschneiden, zündet die Barbel den Leuchtspan an. Dabei fällt ihr ein Fünklein aus die Hand. „Auwehtschl!“ ruft sie aus und thut ein helles Lachen. Es war um sechs Uhr zwanzig Minuten. Wie Osterglockenklingen ist es durchs ganze Haus gegangen, dieses Lachen. Groß gewundert hätte es mich nicht, wenn der Adam davon wach geworden wäre in seinem tiefen Bette. — Wenn er dazumal dieses Lachen von ihr hätte hören können, er würde freilich heute noch leben. Sogar dem dummen Jungen wollte ich es gewünscht haben. Dieses Menschenlerchengetriller möchte doch wohl imstande sein, ihn wieder herbeizulocken zum heimatlichen Herde. Was hat er’s not, mit der Flinte in den Wäldern umzustreichen, wenn daheim die Barbel lacht? — Und warum hat sie gelacht? Weil ihr der heiße Funke ans Fleisch flog. Die muß ein kurioses Feuer ausgestanden haben, wenn sie ein Leuchtspanfunke bloß lachen macht!

Noch in der Nacht bin ich hinabgegangen ins Schulhaus und habe ans Fenster getrommelt.