„Schmutzian!“ knurrte der Vagabund und wirft ihm die Schuhe vor die Füße: „Da hat Er seinen Dreck! Thut eh schon die Goschen auf.“

Wer im Gebirge die Polizei rufen wollte, den würde das Echo ausspotten. Deshalb hat der Lehrer den alten Gauch bei den Ohren genommen und so wacker geschüttelt, daß das Zähneklappern bis zum Wirtshaus hinauf gehört worden ist. Das hat den Vagabunden aber noch lange nicht um seinen Humor gebracht. Bevor er davon lief, hat er sich beide Hände an die Ohren gehalten: „Die Hörwascheln wären jetzt freilich heiß, aber die Zehen frieren.“

Darauf hat der Lehrer die Schuhe dem frierenden armen Teufel nachgeworfen. — Hoffentlich reut es ihn nicht, wenn er sich sein nun einziges Paar an den Füßen blank wichsen muß.

In der Schule ist der Lehrer seiner Sache sehr sicher, da macht er’s weder sich noch den Kindern zur Qual. Die Kleinen läßt er A, B, C sagen und Wörter lesen und auswendige Sprüchlein herbeten. Nach dem Inhalt wird nicht viel gefragt, das hält zu lange auf. Die Eltern fragen ja auch nicht, was das Wort bedeutet, sie sind’s zufrieden, wenn’s der Schüler flüssig lesen kann. Recht lesen ist gut, aber schnell lesen ist besser, denken sie, weil das nicht viel Zeit kostet. Beim Ausfragen weiß fast jeder Schüler flink Antwort. „Wieviel ist zweimal sieben?“ fragt der Lehrer. — „Zweimal sieben ist — ist — ist —“ stottert der Schüler. Der Lehrer hilft nach: „Ist vierz...“ — „Ist vierzehn!“ — „Brav, Michel, das geht ja ganz gut.“ Und so kommen sie glatt über den Stoff hinweg. Zum Wiedervergessenwerden ist’s gut genug gemacht, denkt sich der Winter, und im nächsten Jahre würde es schon besser gehen. Nach der Schule, am Waldrain, wenn der Winter ein Hummelnest besichtigt oder ein zuckendes Fröschlein in die Hand nimmt, da stehen sie um ihn herum im engen Kreise und schauen, was er macht, und hören, was er sagt, und merken sich alles. Aber ob bei der Schulprüfung der Herr Inspektor fragen wird, wie weit am Waldrain die gelbgefleckten Molche ihre Mäuler aufthun oder wie die Eichhörnchen ihre Nester bauen, das möchte ich doch zu bedenken geben. Manchmal bestellt der Lehrer den Vorgeschrittensten der Klasse zum Schulhalten, dieweilen er selbst im Stübel seine Schuhe nagelt oder losgelöste Knöpfe in den Rock näht, und wenn sie die Rechenaufgaben gut gemacht haben, dann dürfen sie nach der Schule mit ihm Käfer suchen gehen. Freilich machen sie die Aufgaben gut, weil sie einer vom andern abschreibt. Wozu soll denn jeder extra noch für sich das Pulver erfinden, wenn’s der eine schon erfunden hat! Er sieht die Rechnungen auch weiter nicht durch, Pedanterie ist nie sein Fehler gewesen, und nach den Schulstunden ist er selbst immer der froheste. — Das Beste an allem ist, daß die Kinder dem Lehrer sehr zugethan sind, und er in Sachen des Betragens auf sie Einfluß hat. Es ist noch keine Sittlichkeitsklage vorgekommen. Alles andere wird sich schon geben. Rechnen lernt der Mensch erst, wenn es sich nicht mehr um Ziffern und Fleißzetteln handelt, sondern um wahrhaftige Kornmetzen, Holzmetern, Gulden und Kreuzer. Und andererseits, meint der Winter, könne es dem besten Mathematiker passieren, daß er sich im Leben manchmal verrechnet.

Ich kenne auch jemanden, der gut lesen, schreiben und rechnen kann und doch bis heute nicht weiß, woran er ist. Dieser jemand las in seinen Augen, verschrieb ihm das Herz und rechnete auf Treue.

Im Ganzen, muß ich dir gestehen, kennt man sich nicht aus. Manchmal kommt mir vor, der Kerl hätte zwei Seiten, wie Krämerloden. Auf der einen strammer Moralist, und wendet man ihn: Bruder Liederlich.

Was er nur aus der Barbel machen wird? Oder sie aus ihm? — Das Letztere wäre mir nicht bange.

Einundvierzigster Sonntag