„Sei es wie immer, Guido, mache Hochzeit und es wird alles anders sein. Schon dieses tollen Knaben wegen — wenn es so wäre.“
Daraus redete er eine Weile noch so herum, das einemal ist’s ganz sicher, das anderemal frägt es sich um Wenn und Aber, und man dürfe sich in solchen wichtigen Angelegenheiten nicht übereilen und wenn er jetzt sofort heirate, sehe es ja genau so aus, als ob er sich durch den angedrohten Schuß habe schrecken und zwingen lassen. Nein, auf solche Weise kriege man einen Guido Winter nicht herum, der wisse schließlich immer noch selber am besten, wann und wen er heiraten wolle.
„Weiter,“ sage ich, „das klingt schon entschiedener, das ist schon kein Auskneifen mehr, das riecht nach offener Absage.“
„Was du schon wieder deutelst!“ ruft er und lacht auf. „Na, damit ihr ruhig schlafen könnt all miteinander — soll’s noch in der Allerseelenwoche sein? Gut, also gleich danach.“
Zwölf Tage nach Allerseelen — das ist ein Sonntag. An diesem Tage will er sich mit ihr trauen lassen.
Ich bin dir redlich froh, einen Tag festgenagelt zu wissen, daß endlich die Herzen zur Ruhe kommen im Adamshause....
Wenn mir der Winter auf das Mädel gut ist, dann will ich auch noch andere schöne Charakterzüge von ihm aufschreiben. Zum Beispiel.
Vor einigen Tagen war’s. Während der Schulstunden hat sich ein vagabundierender Handwerksbursche in das Wohnzimmer des Lehrers geschlichen und ein Paar Schuhe gestohlen. Bei der Bachbrücke unten, während er sie an seine Füße thun will, ist er schon aufgegriffen worden. Noch keck war der Kerl.
„Was wollt’s denn?“ sagte er, „glaubt’s ’leicht, unsereiner mag im kalten Reif und Schnee barfuß umsteigen, wenn jetzt der Winter kommt! Dieweil der Herr ein überflüssiges Paar unter seinem Bette stehen hat! Soll zusperren die Thür, wenn er will, daß ihm nichts gestohlen wird! Ist eine Schlamperei, das. Ich bin eh noch gut gewesen. Ein anderer hätt’ auch den Wettermantel mitgenommen. Hätt’ mir wohlgethan. Na, denk’ ich, das nit, stehlen thust nit. Nur das Paar Schuh nimmst mit. Das wird etwan doch nix Schlechtes sein, wenn er sie nit braucht. Goscht eh schon, beim Spitz, der eine!“
„Wissen Sie was,“ sagte hierauf der Lehrer, „die Schuhe sollen Sie haben. Müssen mir dafür aber eine Fuhr Brennholz klieben.“