„Wenn er mir nur daheim gestorben wär’!“ ruft sie aus. „Es wär’ besser! Ich wollt’ der Mutter Gottes tausendmal dafür Vergeltsgott sagen.“
„Er ist freiwillig davon und das ist ihm nicht so hart!“
„Nachher wieder der Valentin!“ darauf sie. „Der eine will nit heim, der andere kann nit heim. Ist das ein Jammer mit den Kindern!“
Der Rocherl ist ganz und gar verschwunden. Verschwunden und verschollen. Über die erste Zeit haben wir uns hinweggetäuscht. Man müsse den Trutz ausrauchen lassen. Wenn das Gewand zerrissen sei und der kalte Wind blase, werde er schon wieder kommen. Jetzt bläst der kalte Wind, und nachdem wir dreimal umsonst aus waren, um ihn zu suchen, nachdem wir auch im Fuchsgraben und überall seine Spur verloren haben, stehen wir ratlos da. Ich wollte ihn doch in die Zeitung geben, unter die verlorenen Sachen. Da heißt es wieder: die öffentliche Schand’! Die fürchtet man im Bauernhaus nicht minder, als im Herrenschloß. — Eines Tages hören wir, im Schurwalde wäre sein Hut gefunden worden. „Das sagt nichts,“ tröste ich, „ein Dickschädel kommt auch ohne Hut aus.“
„Wer wird ihm seine Hand einbinden?“ fragt manchmal die Barbel. Das geht mir am meisten zu Herzen. Nicht seine Hand, sondern ihr Bekümmern.
„Er selber wird sich die Hand einbinden,“ stelle ich ihr vor. „Mit der Linken und mit den Zähnen. Was der für Zähne hat!“
„Der Jäger wird ihn umgebracht haben!“ so wieder die Mutter.
„Der Konrad? Der seine eigene Hand opfern möchte für die des Rocherl!“
„Mir ist halt so viel bang!“ Damit schließt sie jedes Reden ab.
Die Barbel ist jetzt viel aufrechter, als die Mutter. Vor kurzem, denke dir, soll sie mit dem Weidknecht aus dem Kulmbockhof, dem Baumschneidler, einen Strauß gehabt haben. Sie war mit ihm im Walde gewesen, um die Reisigbüscheln zu sammeln. Auf ein solches Büschel setzt sich der Weidknecht und will das Mädel mit beiden Händen auf seine Knie ziehen.