„Ei schau, du wärest gar gescheit!“ soll sie gesagt haben und ruhig weitergearbeitet. Wie er sie nachher mit Gewalt fangen will, hat er auf einmal einen Zahn weniger im Munde. Blutend geht er in den Kulmbockhof hinüber und bei diesen Adamshausleuten arbeite er nicht eine Stunde mehr, das seien kotzengrobe Leut’.

„Da sieht man’s, das ist der Dank!“ darauf die Kulmbockhoferin mit Entrüstung.

Wir haben die Geschichte erst von der Kulmbockseite her erfahren müssen. „Ist es wahr, Barbel?“ frage ich. Sie lacht dazu, und weiter nichts. Vom Bruder Rocherl spricht das Mädel wenig. Und von ihrem Guido gar nicht. Das sind die stillen Wasser! Der Herr Bräutigam strengt sich auch nicht an mit seinen Huldigungen. Ich glaube, sie sehen sich nicht einmal an jedem Sonntage. Nun, jetzt kommt ja bald die Zeit des bekannten Himmels voller Geigen.

Übrigens soll die Hochzeit wieder einmal verschoben worden sein. Diesmal wäre der Schneider Setznagel die Schuld. Der könne bis zu Leopoldi das Bräutigamgewand nicht leisten. Die schönen Tuchhosen, natürlich! Na, dann freilich. — Guido, Guido! Ein Verliebter muß auch ohne Tuchhosen heiraten können. —

Der Kurat hat durch den kleinen Franzel anfragen lassen, ob die Barbel an Sonntagen nicht wieder auf den Kirchenchor kommen wolle, und mitsingen bei der Messe? Sie soll früher eine gar liebliche Singstimme gehabt haben. Mich hat das gefreut vom Kuraten, und wohl auch das Mädel scheint vergnügt darüber zu sein, daß die Kirche ihr dieses ungute Lebensjahr ausgestrichen hat. Aber vor der Gemeinde singen, wie im Engelschore, das mag sie nicht mehr.

Vor kurzem hatte der Geistliche auf den Lehrer gestichelt, und zwar mit der Heustange. Es war auf der Kanzel das Evangelium vom Hochzeitsmahle gelesen worden. — Du kennst ja die Parabel. Nachdem die geladenen Gäste nicht erschienen waren, ließ der König die Erstbesten von der Straße hereinrufen, und ereiferte sich dann sehr, als unter diesen Straßenleuten einer kein hochzeitliches Kleid an hatte. Zornig darüber läßt er ihn an Händen und Füßen binden und in die Finsternis werfen. Schon mancher gelehrte Knacker hat sich an dieser evangelischen Nuß die Zähne ausgebissen; der Hoisendorfer Kurat aber hat ganz feste im Mund und sprach darüber, wie folgt:

„Ihr werdet, christliche Zuhörer, diesen König gewiß für einen großen Thoren halten. Da ladet er schnell die Vagabunden von der Straße ein und wundert sich, wenn sie kein Festgewandel anhaben. Das hättet halt ihr gewiß wieder gescheiter gemacht, natürlich! Ich aber kann euch sagen: der Herr Christus hat mit seinem Gleichnis schon recht gehabt. Er hat nicht das auswendige Hochzeitsröckel gemeint. Was kümmert sich der liebe Jesus um Hoffartsfetzen. Nein, das Inwendige, den Seelenschmuck, die Tugenden hat er gemeint. Und ein solches Hochzeitsgewand soll jeder Mensch zu jeder Zeit anhaben, auch bei der Arbeit auf Wiesen und Feldern, denn er weiß, daß auf einmal der Hochzeitsbitter kommen kann, und ihr wisset, wen ich mit diesem Hochzeitsbitter meine. Diese Festtracht, die Tugenden und guten Werke, ist bei den Leuten freilich nicht Mode. Aber den Madensack mit bunten Fetzen zu zieren, das ist Mode. Mancher glaubt, am Ostersonntag oder einem andern Feste wäre nicht die Herzensreinheit, sondern der große Hutbuschen die Hauptsache und immereinmal steigt ein Bräutigam um, der nicht Hochzeit hält, wenn es die Liebe will, sondern bis die neue Tuchhose fertig ist!“

Na, das war ausgiebig. Ein paar Leute lugten auf den Platz hin, wo der Lehrer saß, dieser that nichts desgleichen. —