Da habe ich schon gemeint, alles wäre in der Brüche und die Barbel ist dagestanden wie eine Wegsäule, so starr. Nun kommt aber der Rocherl über die Mutter. Der ist seit dem Allerseelentage ein anderer, welche von den zwei Kugeln davon den größeren Anteil hat, weiß man nicht. Manchmal wetterleuchtet’s noch und wenn er ein heißes Wort sagt, da schaut ihn die Mutter an, und wenn er treuherzig redet, da hört sie ihm zu. Daß statt des Lehrers der Hansel an seiner Schwester Seite steht, scheint ihm gar lieb zu sein, und so kommt er nun an die bitterböse Mutter. Vom seligen Vater spricht er ihr. Der hätte lange gewußt, was es mit dem zugereisten Knecht ist und er wäre nur um so dankbarer gewesen, daß ein fremder, ein solcher Mensch sich freiwillig alle Mühe und Not auferlege, um uns beizustehen. Und einmal habe der Vater gesagt, der Hansel sei zwar in mancher Arbeit ungeschickt, aber wegen seiner Bravheit könne er um jede Tochter werben, sie würde ihm nicht versagt werden. — Diese Wendung hat gewirkt. Der Adam hat angeklopft. Und so hat mein Hausvater, der seit Wochen im Grabe ruht, noch ein lebendiges Wort für mich gesprochen, gleichsam mir den Vaterssegen erteilt.

Die halbe Nacht sind wir beisammengesessen und haben allerlei besprochen und die Hausmutter ist ganz weichmütig und sinnig geworden und hat gemeint, ich müsse rein aus einem Märchen herausgestiegen sein, und sie werde dumm vor dem, was sich heutzutage ereigne auf der Welt.

Unser Trauungstag ist für den zwölften Dezember bestimmt. Das soll nicht auch wieder eine lange Bank werden. Der Kurat knüpft an diese Trauung im Advente nur die eine Bedingung, daß keine Lustbarkeit mit ihr verbunden sei. Ganz nach unserem Sinne. Wo das Glück ist, wozu da noch Lustbarkeiten. — In allem übrigen ist’s mit den Behörden abgemacht. Mir ist darum zu thun, daß es sich rasch vollzieht, schon des Lehrers wegen, du kannst dirs denken. Bevor er nach Hause kehrt, wenn er überhaupt noch einmal kommt. Den möchte ich nicht gerne als Hochzeitsgast haben.

Und du, treuer Freund, erweise mir den Gefallen, von meiner Vermählung niemandem etwas zu verlauten. Es könnte übermütige Leute geben und an diesem Tage kann ich niemanden brauchen, als die Sippe allein.

Auf Grund deines neuerlichen Anerbietens — für das der Himmel dich segne — habe ich in Kailing bereits Sachen bestellt, besonders einen Anzug, städtische Bauerntracht, auf gut deutsch: Touristenkostüm. Wollen den Kerl halt herrichten, so gut es geht. Und wenn es gut geht, dann springt er aus. Den Bauernstand hat der Schelm so lange gelobt, bis er ausspringt. Man braucht mich auch nicht. — Und was ich am Dienstage zur Hausmutter gesagt, bevor ich’s bedacht, habe ich bedacht, nachdem ich’s gesagt. Wenn das andere nichts ist, so weiß ich mir mit der Feder was zu machen. Ja, warum denn nicht? Jetzt auf einmal ist mir zu Mute, als könnte ich alles. Und was unsere Kinder betrifft, das erste Dutzend wird Bauern.

Fünfzigster Sonntag

Der fünfzigste Sonntag.

Vom Briefschreiben konnte keine Rede sein an diesem Tage. Dafür soll dir der junge Ehemann nachträglich alles in schönem Herzensfrieden berichten, wie es sich vollzogen hat.