Und nun zu den besonderen Angelegenheiten. Als wir am Sonntage vom Adamshause fortgingen — sie hatte ihr neues vergißmeinnichtblaues Kleid an, um Schultern und Brust ein rotseidenes Tuch, das auch die Mutter einst am Trauungstage getragen hatte. Ihr lichtes Haar war in einen Kranz geflochten um das Haupt, wie Meister Defregger seine Tirolerdirndeln gerne herrichtet. So stand sie an der Thürschwelle still und sagte beklommen:

„Es wird mir doch schwerer, als ich gedacht habe.“ — Da habe ichs gleich gemerkt. Sie dachte an den Lehrer und setzte noch bei: „Es ist wohl wahr, wir sind uns schon lang gleichgültig geworden, aber gesagt haben wir es uns doch noch nit. Und jetzt, derweil er fort ist, soll ich mit einem andern zum Altar. Das kommt mir so untreu vor, so untreu....“

Darauf habe ich gesagt: „Liebes Kind, die Untreue liegt wohl auf seiner Seite. Wenn überhaupt eine vorhanden ist. Daß er sich bei dir gar nimmer angemeldet hat, ehe er fortging! Seitdem sich alles so ganz anders gewendet hat, seid ihr euch gegenseitig ja nichts mehr schuldig und wie man mit freiem Willen zusammengegangen ist, so geht man mit freiem Willen auseinander.“

Und sie: „Das eine kann ich nit einmal sagen. Es hat schon so sein müssen. Ich denk’ mir wohl, daß es ihm nichts macht, was ich jetzt thu’. Wenn ich nur vorher zu ihm treten könnte und sagen: Guido, behüt’ dich Gott!....“

Leise in ihr weißes Tüchlein schluchzend ging sie neben meiner des Weges. Mit uns gingen auch ihre Brüder. Jetzt stand der Kulmbock da, als Hochzeitvater, und sagte: Das hätte keine Manier nicht! Miteinandergehen, das Brautpaar zur Kirche, das wäre sauber! Daraus werde nichts. Die Braut gehöre hinten dran! — Und denke dir, mußte nach altem Brauch die arme Barbel am Hochzeitszug ganz hinten dreingehen, mutterseelenallein. Dann, während alle anderen schon in der Kirche sind, steht sie noch allein draußen vor der Thür und wartet, bis der Hochzeitvater sie hineinführt zum Altar, wo der Hansel ist. — Diese sehr unritterliche Sitte soll wohl die Niedrigkeit des Weibes anzeigen, bevor der Mann sie erwählt und erhöht.

Wie scharf es bei den Hochzeiten hier gegen die Weiber hergeht, zeigt auch eine andere Sitte, die es der künftigen Schwiegermutter verbietet, bei der Trauung anwesend zu sein. Beim Mahle soll sie ganz hinten im Ofenwinkel sitzen und dann — hörst du es! — dem jungen Ehepaare ein ganzes Jahr lang fern bleiben. — Jetzt wirst du doch Respekt haben vor den Almgaiern, daß sie so stramm und bündig mit der Schwiegermutter fertig zu werden wissen. Doch warte nur, wer der Stärkere ist! Wie der Kulmbock der Hausmutter den Eintritt in die Kirche verwehren will, sagt sie entschlossen: „Eine Mutter wird ihr Kind meiden! Just so!“ Schiebt mit dem Arm den Kulmbock zur Seite und tritt ein.

„Na gut, gut,“ sagt der Ordner, „aber ohne Präjudiz!“ Denn er ist zeitweise ganz Gesetz.

Am Altare brannten zwei einzige Kerzen, kein Kirchenschmuck, keine Blumengezier. Es ist spät im Jahre....

Wie mir ums Herz war, als das liebe Wesen an dieser Stelle neben mir stand, als wir die Ringe wechselten und gegenseitig unser Ja sagten, das, mein Freund, kann ich dir nicht beschreiben. Wer es aus sich selber nicht weiß, der kann es nicht verstehen. Im übrigen ist bei der Trauung nicht geweint worden und nicht gelacht....

Als wir ins Wirtshaus wollten, war das Thor geschlossen. Der Kulmbock pochte mit dem Stab, drinnen kicherte man und das Thor blieb zu. Jetzt begann er zum Schlüsselloch allerhand Sprüche hineinzusagen, die ich nicht verstanden habe, ich glaube, sie handelten von den Tugenden und Würden des jungen, Eintritt heischenden Ehepaares, aber das Thor öffnete sich nicht. Da trat meine Barbel vor, berührte mit einem Weißtannenzweig den man ihr in die Hand gegeben, das Hausthor — und jetzt ging es langsam auf und wir traten ein.