Soll ich dich nun auch ein wenig in unser Stübchen gucken lassen? Na freilich, du lieber Mensch, so gucke. — Das Tischlein gedeckt mit einem roten Tuch, darauf steht ein kleiner Krug, in welchem drei Kirschbaumzweige frischen. Sie sind am Barbaratage, ihrem Namenstage, gepflückt worden und sollen in der heiligen Nacht aufblühen. Die zwei hellen Fenster haben schneeweiße Vorhänge, zierlich genäht und mit Buchstaben gestickt von ihrer Hand. Die Betten stehen so nahe aneinander, daß sie mit einem Überzuge zugedeckt werden können. Dieser Überzug ist himmelblau und hat kleine, rote Blümlein. — In das Kämmerchen ziehen wir uns zurück nach dem Abendbrot, und wenn du horchen wolltest — aber das darf man ja gar nicht — so würdest du noch lange ihr fröhliches Lachen hören.

Am Donnerstage hat mir der Valentin Urlaub gegeben, daß ich nach Kailing gehen konnte. Wir haben mancherlei einzukaufen, außerdem steht dort zwischen Obstgärten, gerade am Rechenflusse, ein niedliches Landhaus, das zu vermieten wäre. Ich miete es nicht, ich sehe es nur an, gehe ringsherum und sehe es an und denke: Wenn man dich mieten könnte! Dann gehe ich wieder davon. — Ich wollte dir etwas anderes erzählen.

Wie ich am Vormittage immer der Rechen entlang gegen Kailing hinabgegangen bin, gerade in der Engschlucht begegnet mir — was glaubst du, wer? — Richtig, mit dem ersten Worte hast du ihn. Ganz gemächlich trottet er heran auf dem glatten Schnee, das Beinkleid in die Stiefelröhren gesteckt und über der Achsel eine Ledertasche hängen.

Zum Satan! denke ich mir, jetzt kann’s hübsch werden.

„Was?“ ruft er mir heiter zu, „wie wußtest du denn, daß ich heute komme, Hans?“

„Das wußte ich nicht. Ich will nach Kailing.“

„Dann begleite ich dich zurück,“ sagt der Guido Winter. „Es giebt manches zu plaudern. Jetzt wird geheiratet!“

„So? Wer denn? Wo denn?“

„Noch vor Neujahr, wenn’s geht, führe ich meine Barbel heim.“