Kniet sie gestern vor dem Bette, streichelt seinen verbundenen Arm und sagt voller Zärtlichkeit:

„Armes Handerl, du! Geh’, sei gescheit und thu’ nit weh! Ich will dir nachher zu Lohn was Schönes schenken.“

„Wenn das Kügerl nit heraus will!“ meint der Bursche.

„So soll’s drinnen bleiben. Hat der Mensch so viele Knochen im Leib, wird er wohl auch ein bissel Blei vertragen mögen.“ So spaßet sie.

„Was halt nit hineingehört, das thut kein gut,“ sagt er traurig.

„Mußt nit verzagt sein, Rocherl,“ tröstet sie, „immer Eins hat was in sich, was nit dazu gehört. Darf nit verzagen.“

Ich weiß nicht, alle möglichen Nöte der Menschheit stellt sie ihm manchmal dar, damit er in Hinblick darauf seine eigene Not leichter trage. —

Nun will ich meine Feder auch auf anderen Feldern spazieren führen, damit dir mein Tagebuch allmählich ein Ganzes liefert. — Am Tage vor Lichtmeß war aus Hoisendorf herauf ein alter Mann gekommen, der hat an der Hausthür einen Spruch aufgesagt, den ich zur Hälfte nicht verstanden, zur andern Hälfte wieder vergessen habe. Ich glaube, von der Muttergottes und den Heiligen hat er gehandelt und die Pointe war — Geld. Der Alte ging nämlich zu den Häusern umher, um Geld zu sammeln für die Altarkerzen in der Hoisendorfer Pfarrkirche, damit dort bei allen Gottesdiensten des Jahres Lichter brennen können. Zuerst ging er also zum Hausvater und hielt ihm ein blau-angestrichenes Trühlein vor, derweilen er etwa folgenden Spruch sagte: „Unsere liebe Frau schickt mich in euere ehrengeachtete Hütten und laßt um ein frommes Lichtmeßopfer bitten!“

Der Hausvater holte von der Wandleiste ein altes Lederbeutlein herab, nestelte eine Münze heraus, küßte sie ehrerbietig und legte sie in das Trühlein. Der Sammler kläubelte es wieder heraus, beguckte es von beiden Seiten und sagte: „Adam, du hast sonst allemal ein Zwanzigerl gegeben.“

„Ist eh eins, ist eh eins,“ sagte der Bauer.