„Sein thut’s eins, aber was für eins! Sonst waren es zwanzig Kreuzer, heut’ sind’s zwanzig Heller! Hörst du, Bauer, Nickel nimmt keine Weih’ an.“

„Und Silber haben wir keins mehr,“ versetzte mein Hausvater bedächtig. „Bei den schlechten Zeiten wird wohl auch die Himmelmutter bei der Mess’ mit ein paar Kerzen weniger gern zufrieden sein.“

„Paar Kerzen weniger? Ah na, das thät’s nit, daß uns die Muttergottes ins Dustere thät kommen! — Thu’ ich mich halt zu einer christlichen Wohlthäterin wenden. Gelt, Bäuerin, ehrengeachtete, in deiner Hütten, auch dich laßt unsre liebe Frau um ein Lichtmeßopfer bitten.“

Die Hausmutter gab einen Nickelzehner, unter besonderer Bedingung, daß in der Kirche beim Schutzengelbild eine besondere Kerze gestiftet werde.

„Eine Kerze gestiftet? Für das da? Du bist spaßig, Adamshauserin!“

Nach dieser geringschätzigen Rede trat der Mann in die Kammer an den Rocherl, der auf dem Bette saß, und sagte denselben Spruch.

Der Bursche wurde rot im Gesicht, so blaß er sonst war, und schaute hilflos um sich. Denn, wie mir schien, er besaß nichts.

Da mischte sich die Barbel ein: „Wartet ein wenig, ich habe sein Geld in Verwahrung.“ Aus ihrer blumigen Gewandtruhe holte sie ein Münzlein hervor. Der Alte besah es, schnalzte mit der Zunge: „Hau, da ist ja noch eins! Adam, bei deinem sauberen Töchterl haben sie sich versteckt, die Silberschimmel! Ich glaub’s, ich thät’s auch. Sollten ihrer nit ein paar sein, im Nest? Wenn nit, nachher ist’s so auch gut. Vergelt dir’s Gott, Jungfräulein! Glück und Segen! Einen braven Mann und eine stubenvoll Kinder daneben! Für jeden Heller ein Madel, für jeden Kreuzer einen Buben, nachher wird’s schon lustig in der Stuben.“

Weil sich das Mädel jetzt rasch fortmachte, so sah der Lichtmeßsammler den Schulknaben, den Franzel. Der war, um seine weißen frischgewaschenen Hemdärmeln zu zeigen und sich an dem possierlichen Bettler zu ergötzen, so lange unvorsichtig umhergestanden, bis das Schicksal nun auch ihn antrat. Er machte aber nicht viel Umstände, griff in den Sack und gab zwei Heller. Das that er mit solcher Sicherheit, als ob der ganze Hosensack voller Schätze wäre. Es war aber das erste und letzte Geldstück gewesen, ein Botenlohn vom Schulhause, wie mich däucht erfahren zu haben. Denn der Junge trägt manchmal etliche Eier hinab und was es sonst so mitunter auszurichten giebt.