Neunter Sonntag

Am neunten Sonntag.

Mein Doktor!

Gestern mittags, knapp nach Tisch, hat mir die Hausmutter in einer unzweideutigen Sprache das Davonjagen in Aussicht gestellt. Aber nicht etwa, weil der Knecht nicht Baumfällen kann, oder weil unter seiner Wartung die weißen Rinder scheckig werden, sondern weil er einen so abscheulich langen Bart hat. Wenn ich mich nicht ordentlich tragen wolle, wie es einem Christenmenschen ansteht, so solle ich halt in Gottesnamen sagen, was ich glaube, daß sie mir für die etlichen Wochen auszuzahlen hätten. Jetzt sei das Frühjahr bald im Anzug, da würde ich mich wohl fortbringen.

Sogleich fiel es mir ein: Sie brauchen dich gar nicht. Sie behielten dich bislang nur aus Barmherzigkeit, damit du in der kalten Jahreszeit nicht zu Grunde gehst. — Nun, vom Auszahlen könne keine Rede sein. Wenn sie mich umsonst nicht brauchen könnten, so möchten sie halt sagen, was ich gelegentlich draufzuzahlen hätte, um im Hause bleiben zu dürfen als Knecht. — Schon that ich den Mund auf, um das zu sagen, da stieß mich etwas: Thu’s nicht! Thu’s nicht! Es müßte Mißtrauen erwecken. Es könnte alles verderben. Du mußt dich fügen wie der Sclave, der mit Haut und Haar seinem Herrn verfallen ist.

Und so hat der Knecht Hansel demütig entgegnet, er besäße keine Haarschere und kein Rasiermesser, er könne sich selber weder scheren noch rasieren. Wenn der guten Hausmutter mein langes Haar schon so zuwider sei, so müsse sie mich halt rupfen.

Darüber hat sie aufgelacht: „’s ist wahr, man kann ihm nit feindlich sein. Er weiß allemal so eine spaßige Red’. Geh’ Vater, auf den Abend, wenn du Zeit hast, nimm den Hansel zwischen die Knie und schneid’ ihm den Pelz herab. Die Schafsscher’ thut’s eh dazu.“

Hörst du, Philosoph, die Schafsscher’ thut’s eh!