Weil ich mich nicht rühre, so kommt mein Adam ganz ans Bett heran, faltet die Hände: „Ich bitt’ dich, Hansel, ein Bauer, der um Bargeld Mist kauft!“
„Ja, mein Gott,“ sag ich, „Dünger kaufen, warum denn nicht? Dünger ist ja für den Bauer sehr notwendig.“
Auf diese Bemerkung antwortet der Hausvater allerdings nicht mehr. Nur daß er leise in sich hinein murmelt: „Der Nans ist fertig. Sein Gut, wenn du’s kaufen willst, es steht unter dem Hammer.“
Bei der Einbrennsuppe nachher war noch einmal davon die Rede, da sagte die Hausmutter: „Was hast denn heut mit dem Hansel, Vater? Du thust ja, als ob er erst bei der Nacht vom Himmel gefallen wär! Der stellt sich nur so!“ Und zu mir: „Ist ja wahr, Hansel, man kann dich gern haben. Aber trauen thu ich dir nit. Du hast was Heimliches in dir, das die Leut nit wissen sollen. Laß es gut sein, Hansel. Schlechtes wird’s wohl nichts sein, ich frag’ dich nit drum. So lang wir sonst nichts Ungutes an Dir wahrnehmen, bleiben wir halt beisammen. Ich weiß nit, haben wir dich nötiger oder du uns.“
So steht’s. Ein verteufelter Kerl, dieses Weib.
Ob sie mit ihren Meinungen recht haben? Einerlei, Meinungen haben sie festgründige, und das freut mich. Zwei Hände und einen Kopf dazu. Auf die herausfordernden Worte der Hausmutter habe ich bloß die Achseln gezuckt — ’s war das Beste, nicht wahr? Den Hausvater hingegen habe ich anlügen müssen. Er soll keine Zeitung mehr bei mir finden! Dem geradsinnigen Mann ist das genug. Daß man sie bloß besser verstecken muß, daß sie der Hoisendorfer Lehrer fürderhin heimlich vermitteln wird — das besorgt die Intelligenz. Auf Ehrenwort, Freund, den Alten betrüge ich!
Denn auf die Zeitung verzichten? Schon darum nicht, weil mein Abscheu vor der Welt noch zweiundvierzig Wochen lang aushalten muß. Nur ein Tag ohne Nachricht von der weiten Welt, und sie lügt sich auf zu weiß Gott was Begehrenswertem. Die Korrespondenz mit den Kollegen von der „Kontinentalen“ habe ich abgebrochen. Das schofle Gewitzel, wenn ich in Bedrängnis bin und hier den blutigen Ernst des Menschseins sehe — es behagte mir nicht mehr. Von der Zeitung aber kann ich lernen, wie gescheit man einmal war und wie ich mich jetzt Woche für Woche von ihrem Geist entferne. Man muß sich nur in acht nehmen. Je weiter von der Zeitungpresse entfernt, desto geneigter ist man, ihr zu glauben. Aufs Glauben hält sie aber selber nichts. Man muß nur zwischen den Zeilen lesen, dort steht schon das Richtige. Und je schlechter es geht da draußen, desto besser für mich. Höre, Freund, was ich dir sage: Ich hasse euere Welt. Aber es ist der Haß der Liebe.
Es ist der Haß der Liebe, Alfred!
Lassen wir das jetzt und seien wir der gehorsame Knecht, der die alten Zeitungen in den Ofen werfen will. Doch die Hausmutter wehrt ab: „Nit, Hansel, es thät stinken!“
Dann bin ich fleißig nach Hoisendorf hinabgegangen in die Kirche. Dort habe ich mich in die Bank des Adamshauses gesetzt. Es hat nämlich jeder Hof in der Kirche seine Bank, wofür vom Pfarramt jährlich ein Abonnement von neun Kreuzern eingehoben wird. Es ist kein Fauteuil. Durchaus nicht. Man ist förmlich eingezimmert zwischen Rück- und Vorwand, auf einem fünf Zoll breiten Sitzbrett und einem Kniebalken.