„Hör’ mir auf, Rocherl. Diese Ausrede kann jeder Diebskerl brauchen.“

„Hast eh recht. Aber es ist halt wie verhext. Es giebt halt nichts Lustigeres auf der Welt, wie das Reherlschießen.“

Singend hatte er die letzten Worte gesagt und kam uns wohl beiden das Volkslied in den Sinn:

„Obs sunnen oder dunnern thut,

Ob winden oder gießen,

Ich weiß halt keine größere Freud,

Als wie das Reherlschießen!“

Und derselbe Bursche ist anderseits so voller Sorgfalt für die Haustiere, kümmert sich um die richtige Fütterung, vergißt nach keiner Mahlzeit, die Brosamen hinaus aufs Fensterbrett zu legen, daß die Spatzen kommen und sich letzen mögen zur Winterszeit.

Um den Kuhstall sorgt er sich nicht, dort ist die Barbel. Wo die Barbel ist, da braucht sich weiter niemand zu kümmern. Wo die Barbel ist, da kann nichts geschehen.

Vor etlichen Tagen hatten wir ein Donnerwetter mit Blitz und Hagel, wie im Hochsommer. Noch nie so um diese Zeit, sagen sie. In der Nacht war’s. Ich wurde ins Haus gerufen, um beim Schein einer Weihekerze den Wettersegen mit beten zu helfen, oder bereit zu sein zum Retten, falls der Blitz einschlüge. Das krachte und knatterte ganz grauenhaft. „Hagel auf den Schnee thut dem Korn nit weh!“ sagte der Hausvater, aber fürchten thaten sie sich doch. Der Rocherl kauerte im bloßen Hemde am Herd, zitterte, wimmerte, hielt Ohren und Augen zu und verlangte nach der Schwester. Die wurde geweckt, kam in die Stube, da war er ruhig. Sie sagte kein Trostwort, sie betete nicht, sie war nicht erstaunt — sie schaute nur traumhaft drein, wie sonst manchmal. Das Gewitter verzog sich, draußen war es still und schneelicht und man hätte sagen mögen: Das Mädel gebot dem Sturm.